Wenigstens ein bisschen Dorf

Zwischenhalt in Ségou, bevor es zurück nach Bamako ging und erneut wird uns bewusst, wie laut und versmogt die Hauptstadt ist, denn hier kann man Sterne sehen, es weht ein leichter angenehmer Wind und man hört nichts als ein paar Tiere und Stimmen und nicht den ganzen Straßenlärm. Eine Wohltat! Und so kommen wir am nächsten Morgen tatsächlich zu ein bisschen Tourismus: ein freundlicher Fischer macht einen Ausflug mit uns in seinem Boot auf dem Niger. Wir haben mit ihm eine Stunde vereinbart und da hat er die gute Idee uns zu einem Fischerdorf am anderen Ufer zu fahren und dort ein bisschen durchs Dorf zu schlendern und den Dorfchef zu grüßen. So bekommt er spielend eine halbe Stunde rum und spart dabei Sprit für sein Motorboot! Guter Trick – aber wir haben’s gemerkt und motivieren ihn, doch noch den Niger ein bisschen flussaufwärts zu fahren. Aber so kommt Claudia wenigstens dazu, doch noch ein bisschen Dorfleben und nicht nur die größeren Städte zu sehen. Und auch mir tut es gut, das Stadtleben zu unterbrechen: die Kinder, die im Wasser spielen, kleine Fische, die zum Dörren und Räuchern auf den Öfen liegen, diese Mischung der Gerüche aus Staub, Dung  und Trockenfisch – viele Jahre war das ein häufiger Begleiter meines Lebens hier, wenn ich mit dem Motorrad durch die Dörfer gefahren bin und die Krankenstationen besucht habe. Dorfleben in Mali – das ist so anders als die Hauptstadt, soviel vertrauter!

Zurück in Bamako geht es am nächsten Tag mit einem Sitzungsmarathon weiter: von morgens bis nachmittags sitzen wir mit den Verantwortlichen des Schulkomitees der Kirche zusammen, tauschen Erfahrungen und Beobachtungen aus, sprechen miteinander über Probleme und planen, wie das Schulprojekt weiter laufen kann. Wir sind froh über die Fachkompetenz, die die Mitglieder dieses Teams mitbringen, da zwei von ihnen Lehrer sind, die schon eine Menge Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen gemacht haben.

Nachmittags besuchen wir Marthe, das junge Mädchen, das beim letzten Besuch netterweise für Fotos für einen Artikel in der Kinderzeitschrift „Kläxx“ zur Verfügung stand. Heute bringen wir ihr ein Exemplar dieser Zeitschrift und sowohl für Marthe als auch für Claudia und Christine ist die Situation ein bisschen unwirklich: die eine sitzt bei sich zu Hause und blättert in einer Zeitschrift, die über ihr Leben berichtet und die anderen sitzen plötzlich einem Mädchen gegenüber, über das sie geschrieben haben, es aber nur von Fotos kennen.

Und am Abend – wie sollte es anders sein? – wird der Tag mit einer weiteren Sitzung abgerundet – diesmal mit dem Projektkomitee für die Schulen. Unser Besuch soll ja maximal genutzt werden…

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