Frauenpower

Heute Nacht gut angekommen in Bamako, tauche ich mit einem Gottesdient im Stadtteil Quinzambougou in die malische Atmosphäre ein. Und heute ist dieser besonders, denn gestern war ja der 8. März – internationaler Frauentag. Vor Jahren gab es in Mali diesbezüglich viele Diskussionen: soll man da als Kirche mitmachen und auch Gottesdienste entsprechend gestalten? Heute ist das fester Programmbestandteil: am Sonntag nach dem 8. März gestalten die Frauen den Gottesdienst – alles, außer der Predigt – die bleibt dann doch den Männern vorbehalten. Es wird viel gelacht, geklatscht, gesungen, getanzt – irgendwie haben die Frauen da mehr Pfeffer! Als nach einem schwungvollen Lied die Übersetzerin wieder ans Mikro kommt, kann sie kaum sprechen, weil sie vom Tanz noch ganz außer Atem ist. Alle lachen… einfach eine muntere gelöste Stimmung. Was die Damen da an „Sport“ treiben bei 40°C ist schon beachtlich!

Dann kommen die verschiedenen Gemeindechöre und geben einer nach dem anderen ein Lied zum Besten. Als der Chor, der in der Sprache der Bambara singt, dran ist, leitet eine junge Frau kurz ein: „Wir singen jetzt das Lied mit dem Text: ‚Eine tugendhafte Frau ist die Krone ihres Mannes‘.“ Ich muss schmunzeln, stelle mir vor, dieser biblische Text würde heute in einer deutschen Kirchengemeinde gesungen und sehe vor meinem geistigen Auge ein Stirnrunzeln hier und da – bei Männern wie bei Frauen. Aber damit haben die meisten Damen hier wohl überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, wie in vielen anderen Bereichen des Lebens hier sind die Rollen klarer definiert als bei uns und das vermittelt auch Sicherheit. Als ich vorhin „Frauentag“ in meine Suchmaschine eingab, kam sofort „internationaler Frauenkampftag“ – aber das hier ist kein Kampftag. Die Frauen kämpfen nicht um ihre Rechte. Sie haben eine recht feste Position in der Gesellschaft und diese füllen sie gerne aus. Natürlich ist das tägliche Leben in den Familien längst nicht immer so, wie das sein sollte, aber dadurch werden die Rollen an sich nicht in Frage gestellt. Und wenn man die Frauen hier im Gottesdienst erlebt, mit Power und Selbstbewusstsein, mit Engagement und Durchsetzungsvermögen… das sind keine „Heimchen am Herd“. Ich denke erneut an den Bibeltext im Lied: hier ist nicht selten der Mann das Haupt in der Familie aber die Frau die Krone auf dem Haupt!

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