Morgenstimmung

Heute Morgen sitzen Manuel und ich beim Frühstück auf dem Dach. Das Müsli ist importiert aber Mangos, Papayas und Bananen sind lokal und unglaublich lecker! Die Sonne versteckt sich noch hier und da unter ein paar Wölkchen und wenn sie dahinter hervorkommt, ist sie auch noch zu ertragen. Der Dieselgenerator, den unsere Nachbarn wegen Schweißarbeiten (nein, nicht die Arbeiten im Schweiße ihres Angesichtes, sondern die am Schweißgerät!) den ganzen Tag laufen lassen und dessen lautes knattern einem ziemlich auf die Nerven gehen kann, ist noch im Ruhezustand und somit kann man auch mal ein paar Vögel zwitschern hören.

Wir unterhalten uns über Möglichkeiten in Mali zu entspannen, auszuruhen, Abwechselung zu finden, was nicht so einfach ist. Klar, hier in der Hauptstadt gibt es – anders als auf dem Dorf oder in einer Kleinstadt – auch schon mal Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen, aber da man sich als Bleichgesicht ja nicht so viel in der Öffentlichkeit zeigen soll, ist das kaum eine Alternative. Und für manches ist es einfach zu heiß!

Ich erinnere mich, wie wir früher manchmal an Sonntagnachmittagen als Familie im Norden Malis nicht so richtig wussten, was wir machen sollten. Oft brannte die Sonne zu sehr, um einen Ausflug zu machen. Gesellschaftsspiele waren zwar anfangs nett, aber schon nach kürzester Zeit wurde einer unserer Jungs wütend, weil er verlor, die Welt ungerecht fand und auch schon mal alle Spielfiguren vom Tisch fegte (heute sind sie ganz anders!!). Also das war auch nicht der Brüller. Oft haben wir Eltern dann gelesen, die Kinder mit Duplo und Playmo gespielt. Aber es gab auch Highlights, wenn wir miteinander Indianer gespielt haben und dann ein frisch geschlachtetes Huhn auf Tuaregart im mit Holz vorgeheizten Sand gegrillt haben.

Das machen Manuel und ich heute nicht. Und jeder muss irgendwie finden, wie er nach der Arbeit einen Ausgleich findet. Beim Unterhalten fällt mir eine Begebenheit aus „alten Zeiten“ ein: In unserem Wohnort von früher gab es tatsächlich ein Open-Air-Kino. Meistens wurden dort nur irgendwelche indischen Schnulzen gezeigt mit viel Musik und Tanz – nicht so ganz meins… Aber irgendwann stand tatsächlich mal ein recht netter Spielfilm auf dem Programm: Sandra Bullock in „Miss Congeniality“ – das war doch mal eine Abwechslung! Also kräftig Anti-Mückenspray und ab ins Kino. Der 16 mm-Projektor ratterte fröhlich los – das war noch richtig Originalkino! Aber leider, leider funktionierte der Ton nicht. Die Techniker machten das Gerät an und wieder aus, bastelten, versuchten es nochmal. Es ging nicht und dann ließen sie schließlich den Film einfach laufen – is halt so. Nachdem mir klar wurde, dass das jetzt so weiter gehen sollte, habe ich mich beschwert – schließlich ist Sandra Bullock ja nicht Charly Chaplin, der wäre auch ohne Ton gegangen. Und so gaben sich die Techniker wieder ans Basteln. Fast alle Mitgucker waren, so wenigstens meine Wahrnehmung, dankbar für mein Einschreiten – anders aber ein gehörloser Kinobesucher. Der war richtig sauer auf mich, dass ich sein Kinovergnügen unterbrochen hatte 😊.

Das Ende vom Lied: sie haben es hinbekommen, Sandra konnte wieder reden und ob mit oder ohne Gehör: wir haben den ganzen Film schauen können!

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