Da ich mich in der Stadt oft mit dem Taxi fortbewege, habe ich immer wieder Gelegenheit zu kurzen Gesprächen mit Menschen, denen ich manchmal nur dies eine Mal begegne. Man kann für recht wenig Geld mit den knallgelben Kisten, die Europa freundlicherweise in Afrika entsorgt hat, in die Stadt fahren, braucht sich nicht um den Verkehr zu kümmern, schwitzt ein bisschen mehr und atmet Staub und Abgase durch das offene Fenster aber profitiert von den Schleichwegen, die nur die eingefleischten Taxifahrer kennen. Der normale Taxifahrer arbeitet für seinen „Patron“, das heißt, jeden Tag drückt er umgerechnet 15 Euro ab für die Nutzung des Autos – Sprit geht auf seine Rechnung, Reparaturen muss der „Patron“ zahlen. Das Geld muss erst mal eingefahren werden, bevor der Taxifahrer Gewinn macht. Mich kostet eine Fahrt in die Stadt ca. 2,30 – da braucht es schon einige Fahrten, bevor es sich lohnt, denn die 15 Euro sind fällig, auch wenn man den ganzen Tag keine Kundschaft findet. Seit einigen Jahren sind Motorradtaxis als Konkurrenz dazu gekommen – aber es reicht ein kurzer Blick auf deren Fahrstil und ich nehme gerne Abstand…
Die Gespräche im Taxi sind dann sehr unterschiedlich. Manche Fahrer lassen sich kaum aus der Reserve locken, die meisten aber plaudern munter drauf los. Ob Politik, die Straßenverhältnisse, die Lebenshaltungskosten oder Religion – oft ist es leicht ins Gespräch zu kommen. Soumaila, mein „Haus- und Hoftaxifahrer“ (direkt um die Ecke und meist zuverlässig) ist eigentlich sehr kommunikativ, aber leider ist sein Französisch nicht sehr entwickelt und mein Bambara noch viel weniger. So stecken wir öfter fest im Gespräch und wenn er überzeugt „vraiment!“ (tatsächlich! wirklich!) sagt, bin ich nie ganz sicher, ob er mich verstanden hat oder es ein Lückenfüller ist. Gerade jetzt zum Ramadan frage ich viel nach, wie das denn mit dem Fasten ist, warum sie eigentlich fasten, was für viele eine erst einmal überraschende Frage ist, weil es hier einfach dazu gehört. „Für hier macht das nicht wirklich einen Unterschied“, sagt mir einer, „aber nach dem Tod, da bringt das Segen.“ Es ist eigentlich leicht dann miteinander ins Gespräch zu kommen, dass wir Christen fasten, ohne dass das ein Muss ist, dass wir mit Jesus keine Zusatzleistungen für das Paradies brauchen. Aber immer wieder stoße ich an sprachliche Grenzen. Wenn es im Gespräch tiefer geht als „vraiment“, dann wechselt mein Gesprächspartner schnell ins Bambara und ich bin raus. Dass ich Peulh spreche, finden viele zwar interessant, hilft uns aber hier in Bamako nicht weiter. Immer wieder bin ich dann motiviert, doch noch Bambara zu lernen, obwohl ich natürlich weiß, dass sich eine Sprache nicht nebenbei lernen lässt und erst recht nicht, wenn man ein Niveau erreichen will, wo man solche Gespräche führen kann. So kann ich nur beten, dass Jesus hier und da trotzdem solche kleinen Gelegenheiten nutzt, um seine Liebe zu den Muslimen zu zeigen. Vraiment!