Was sind wir glücklich über unsere Solaranlage, die wir vor einem Jahr hier installieren konnten! Endlich unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung, die meistens unkalkulierbar ist und oft nur wenige Stunden am Tag Energie liefert. Sonne ist hier nun wirklich genug und die Anlage ist groß genug konzipiert, um alle Geräte im Haus zu versorgen. Auch unser uralter Dieselgenerator, der eher an eine Dampfmaschine als an ein modernes Energiegerät erinnert, steht erfreulich nutzlos im Hof herum.
Aber dann vorgestern: Manuel bemerkte, dass es beim Anfassen seines Wasserhahns in den Händen kribbelt, Christine erlebte das gleiche am Türgriff und Etienne beim Anschalten seines Druckers. Dann fiel heute Morgen für Stunden der Strom aus und die Anlage schaltete sich von selbst plötzlich wieder an. Da ich hier gerade keinen Defibrillator für kardiologische Notfälle zur Hand habe, haben wir die Spezialisten gerufen: sowohl unseren Haus- und Hofelektriker als auch den Techniker, der die Solaranlage wartet: ein Massekabel war kochend heiß und sei stromführend. Nanu, wie kann denn das sein? Es hatte doch keiner die Anlage verändert.
Aber nach und nach traten die Informationen zu Tage: unsere chinesischen Nachbarn hatten letzte Tage die Oberleitungen des öffentlichen Stroms mit einem ihrer LKWs gekappt und wieder reparieren lassen. Keiner weiß (oder will wissen), wer das gemacht hat… Da wurden nur dann dummerweise die Kabel falsch zusammengebracht und Phase und Nullleiter vertauscht. Und da wir für den Fall der Fälle noch Zugang zur städtischen Energieversorgung haben, sind wir mit betroffen. Der alte und erfahrene Elektriker steht fassungslos vor mir – was hätte da alles passieren können!!!
Und jetzt? Es wird wild telefoniert, die Verantwortlichen gesucht und der Schaden hoffentlich schnell repariert – aber zunächst einmal sind wir von der öffentlichen Stromversorgung abgeklemmt und damit hoffentlich auf der sicheren Seite.
Wenn ich nach Mali fliege, dann sagen mir viele, ich solle auf mich aufpassen. Dabei haben sie meistens Terroristen, Straßenräuber und vielleicht auch noch Autounfälle im Kopf – Stromschlag war noch nicht auf meinem Programm… Vielleicht übertreibe ich, schließlich bin ich kein Elektriker – vielleicht aber auch nicht und ich danke Gott wieder einmal neu für den Schutz vor so vielen Gefahren, die ich nicht einmal wahrnehme.