Gerade heraus

Er ist kein Intellektueller. Französisch sprechen geht, aber das Schreiben ist oft abenteuerlich. Und er arbeitet schon lange mit uns zusammen. Früher ist er oft hochgegangen, wenn ihm etwas gegen den Strich ging, heute ist er ruhiger geworden. Aber Temperament hat er immer noch. Und je länger ich ihn kenne, desto mehr lerne ich manches an ihm schätzen. Denn er hat etwas, was ich hier oft vermisse. Letztens habe ich eine Entscheidung getroffen, die seinen Verantwortungsbereich betraf, ohne mich mit ihm abzusprechen. Bei unserem nächsten Treffen kam das auf den Tisch: „Pascher, das war nicht in Ordnung“, sagte er mir gerade heraus. Ich bin de facto sein Chef, letztlich sein Brötchengeber. Aber das spielte jetzt bei ihm keine Rolle. Und Recht hatte er – ohne Frage. Und das erlebe ich auch bei ihm in Kontakt mit anderen: seine Worte sind manchmal hart, seine Vorgehensweise oft nicht gerade diplomatisch, aber er lässt heraus, was in seinem Herzen ist. „Manche Weiße denken immer noch, sie sein etwas Besseres nur weil sie weiß sind“, sagt er mir heute ungeschminkt. „Aber die Zeiten haben sich geändert“. Und das kommt nicht rebellisch oder plakativ, sondern entspannt, sachlich – erwachsen halt; unbeeinflusst von Bildung, Stand, Abhängigkeiten. Stimmt das, was er da über uns sagt? Wieviel „Patron“ steckt tatsächlich in uns drin? (Dazu in den nächsten Tage mal mehr.) Und dann aber das zweite, was ich an ihm schätze: ich entschuldige mich bei ihm für mein Vorgehen, gebe ihm Recht und er nimmt spontan die Entschuldigung an und es ist ihm ernst damit. Und sowohl bei mir als auch bei anderen habe ich noch nie erlebt, dass er wieder etwas hervorholt, was er einmal vergeben hat.

P.S.: Das Bild ist nur beispielhaft und zeigt jemand anderen!

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