Alter Mann was nun?

Vielleicht hab‘ ich das schon mal erzählt: ich war Anfang 30, etwa ein Jahr in Mali und unterhielt mich in einem Dorf angeregt mit einem alten Mann. Irgendwann erkundigte er sich nach meinem Vater und wie alt der denn sein. Als er hörte, dass er damals Ende 50 war, fragte er mich ganz verwundert nach meinem Alter. „32“, war meine ehrliche Antwort, worauf er sagte: „Du bist ein Kind“, sich wegdrehte und unser Gespräch damit beendete. Ich war einfach für ihn kein ebenbürtiger Gesprächspartner mehr.

Jetzt ist das anders: ich bin (selbst für malische Augen) offensichtlich deutlich in der 2. Lebenshälfte, habe – da wo sie noch sind – graue Haare und einen grauen Bart. Ich habe erwachsene Kinder und 5 Enkel. In Mali bin ich damit ein altehrwürdiger Mann. Und was mache ich? Ich fahre Fahrrad, ich jogge durch die Gegend. Das tun alte Männer nicht. Und dass Weiße zu Fuß unterwegs sind, geht gar nicht. Jeder Taxifahrer, der mich sieht, hupt oder ruft, weil er davon ausgeht, dass ich nicht freiwillig meine Füße benutze. Also, ich mache lauter Dinge, die man nicht tut. Das einzige Klischee, das ich bediene, ist, dass die Weißen immer komische Sachen machen. Aber beim Joggen grüßen mich die meisten Leute mit einem sanften Lächeln auf dem Gesicht. Einer bot mir, als ich an ihm vorbeilief noch seine Apfelsine an, wohl in der Hoffnung, dass ich damit vielleicht dann doch noch durchhalte.

Aber gestern dann, da habe ich begriffen, wie es wirklich um mich steht: Ich kam zurück von einem Besuch und stieg in unser Auto, an dem ein junger Mann lehnte. Ob ich denn keinen Chauffeur hätte? Nein, ich würde selbst fahren. Das sollte ich aber wirklich nicht mehr tun in meinem Alter, meinte er mitleidig. Ich hätte graue Haare und einen Bart – das wäre jetzt aber wirklich zu gefährlich.

Ein interessantes neues Lebensgefühl…

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