Von der Bürgerwehr zur Terrormiliz

Zunächst hatten sie sich zusammengetan, um sich gegen den islamistischen Terror zur Wehr zu setzen: die Donson, die Jägerkaste der Volksgruppe der Dogon. Sie sollten die Dogon gegen die Peulh schützen – gerade in Gebieten, wo der Staat nicht mehr präsent war und die Islamisten machen konnten, was sie wollten. Anfangs mit traditionellen Gewehren bewaffnet, aber dann mehr und mehr auch mit moderner Ausrüstung – nur gerüchteweise kann man Erklärungen finden, wie sie darangekommen sind. Auch viele animistisch, okkulte Praktiken sorgten dafür, dass sie zu einem gefährlichen Gegenüber der Peulh-Terroristen wurden. Aber je mehr sich der Staat zurückzog und je länger diese Bürgerwehr bestand, desto umfangreicher wurden ihre Befugnisse: Stück für Stück waren sie nicht mehr Schutz der Bürger, sondern vielmehr selbsternannte Polizei, Ordnungsamt, Geldeintreiber, Richter, Staatsanwalt. Es gibt kein Kontrollorgan mehr, die Donson machen letztlich genau das, was auch die Islamisten tun, nur dass hier keine religiösen Motive im Spiel sind: sie gängeln die Bevölkerung mit Gewalt. Längst sind es nicht mehr nur die Dogon, die in dieser Vereinigung sind, sondern alle jungen Leute werden gezwungen sich ihnen anzuschließen – egal welcher Ethnie sie angehören. Schwierig wurde das für unsere Kirchen: jeder der Jugendlichen sollte ihre Tracht anziehen, ein Gewehr tragen und auch an ihren animistischen Riten teilnehmen. Wer sich dagegen auflehnte, musste damit rechnen umgebracht zu werden. Ein Pastor (einer anderen Denomination) suchte im Dialog eine Änderung zu erwirken, aber der Konflikt eskalierte, der Pastor wurde festgesetzt und ein hohes Lösegeld erpresst. Hätte die Kirche das nicht bezahlt, wäre er umgebracht worden. So geht es einigen, die aufgrund von Gerüchten und kleineren Vergehen festgehalten werden: sie haben drei, maximal fünf Tage Zeit, um einen festgesetzten Betrag zu bezahlen, ansonsten werden sie kurzerhand umgebracht. An anderen Stellen war es besser möglich miteinander ins Gespräch zu kommen. So haben die Donson sich bereiterklärt, dass die Christen nun nicht mehr Gewehre tragen müssen, sondern stattdessen Ihre Bibeln mitbringen zu den Treffen und für Kämpfer beten sollen.

Die Donson, früher waren sie für viele Touristen eine Attraktion mit ihren Riten, den selbstgebastelten Büchsen und ihren traditionellen Hüten und Gewändern – heute sind sie in Abwesenheit staatlicher Autorität zu einer gewalttätigen Miliz geworden.

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