Wie bringe ich einen Pastor zum Lächeln?

Bei einer der zahlreichen Sitzungen fragt mich Enoc, der Präses unserer Kirche, ob ich bereit wäre von allen Pastoren Fotos zu machen. Sie würden gerne Pastorenausweise ausstellen und bräuchten dafür von jedem so eine Art Passfoto. Na klar, sowas habe ich schon öfter gemacht, da sie auch immer mal einen Kalender mit Fotos aller Pastoren machen und mich dafür als Fotografen anheuern. Aber da ist schon mal die erste Schwierigkeit: was nimmt man für einen Hintergrund? Man soll ja bei Passfotos immer eine helle Kulisse haben, aber ein dunkles Gesicht auf hellem Hintergrund, da muss man dann immer an der Belichtung basteln, damit man nicht nur ein schwarzes Oval mit Augen sieht. Außerdem, will man es sich einfach machen und nicht etwa ein Bettlaken oder ähnliches aufhängen, dann ist das nicht ganz so einfach, weil malische Mauern nicht gerade ein einheitliches Bild abgeben. Dazu kommt, dass es um die Mittagszeit ist, die Sonne steht hoch, Schatten gibt es wenig und alle kneifen die Augen zusammen. Aber doch, wir finden einen schattigen Platz mit einigermaßen neutralem Hintergrund unter einem Blechdach. Je nach Pastor muss man die Position gut ausrichten, damit der Haken vom Fenster nicht mit ins Bild kommt. Das ist beim über 1,90 großen Jérémie kein Problem, weil der Haken in Brusthöhe ist, der weniger große Samuel allerdings muss sich fast auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu verdecken.

Nun aber zu den Fotos: Malier mögen es gar nicht auf Bildern zu lächeln. Der internationalen Passfotonorm entsprechend schauen sie immer ernst und würdevoll in die Kamera. Dabei ist ihr herzliches Lächeln so viel schöner und ein Pastorenausweis soll ja nicht biometrisch sein und Leute abschrecken, sondern zeigen, dass Christen fröhliche Menschen sein können. Also gebe ich mein Bestes, um die Herren Pastoren zum Lächeln zu bringen. Lange versuchen sie mir zu widerstehen, aber bald hat sich eine kleine Gruppe gebildet und jeder ruft irgendwas hinein, damit der Bann gebrochen wird. Bei unserm kamerunischen Pastor versuche ich es, indem ich ihm sage, er solle an seinen Präsidenten denken. Das war wirklich kein guter Gedanke. Paul B. ist mittlerweile 88 Jahre alt und seit 1982 im Amt. Auf mysteriöse Art und Weise wird er immer wieder gewählt. Das ist nicht unbedingt ein Grund zur Freude und so scheinen sich die Mundwinkel eher nach unten zu ziehen. „Ist denn der Pastorenberuf so traurig?“ frage ich und habe da schon mehr Erfolg. Scheinbar machen sie ihre Arbeit doch gerne. Mancher verkneift sich das Lächeln, solange es eben geht – dann aber bricht es raus. Die Augen strahlen, die Zähne kommen zum Vorschein und es ist eine Freude die fröhlichen, freundlichen Gesichter zu sehen. Schaut sie Euch an!

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