Im Schweiße meines Angesichtes

Alle Jahre wieder, die Jahresmitgliederversammlung unseres malische Partnerkirchenbundes. Sehr ambivalente Gefühle löst das bei mir aus: 3 Tage sitzen und schwitzen und bei 40° im Schatten in irgendeiner Bude auf furchtbar unbequemen Metallstühlen zu hocken, um wichtige Dinge des Kirchenlebens und der Zusammenarbeit mit der Allianz-Mission zu besprechen: Das ist wichtig, wird aber nie mein Hobby werden. Andererseits ist es aber auch immer eine super Gelegenheit, um Mitarbeiter und Verantwortungsträger aus dem ganzen Land zu treffen und besonders dann, wenn keine Sitzungen sind, miteinander mal zu plaudern, mal zu erzählen und mal auch tiefe strategische Gespräche zu führen – das sind enorm wichtige Zeiten. Zu meiner Freude findet das Treffen dieses Jahr in San statt, also ca. 450 km nordöstlich von Bamako. Endlich dem Mief und Lärm der Stadt entkommen und abends wieder Sterne sehen, die sonst durch den Smog verborgen bleiben.

Warten aufs Frühstück…

Übernachten kann ich auch tatsächlich im Zelt, genieße den frischen Wind in den Abendstunden und schlafe so gut, wie schon lange nicht mehr. Zum Frühstück gibt es sowas wie Baguette mit Mayonnaise und Nescafé. Bei irgendeiner Gelegenheit versuche ich zu erklären, warum ich Produkte dieser Firma sonst meide – gerade die Malier sollten doch dafür sensibilisiert werden können, sind doch etliche der Kinder, die wie Sklaven auf den Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste arbeiten, aus ihrem Land. Aber ich fürchte, meine Erläuterungen fallen eher in die Rubrik „so ein Ding der Weißen“.

Bei meinem Bericht über die Arbeit der Allianz-Mission erzähle ich erst einmal viel von Deutschland. 200.000 – 300.000 neue Coronafälle jeden Tag, da fragt der Übersetzer erst 3 x nach, ob er das wirklich richtig übersetzt und sich nicht verhört hat. Und dass so viele Menschen aus der Ukraine zu uns kommen, dass die öffentlichen Aufnahmestellen das nicht bewältigen können und viele Deutsche die Geflüchteten in ihre Wohnungen aufnehmen, ist mal ein Bild von Europa, das bisher die Wenigsten vor Augen hatten. Und wir reden viel über Politik. Seitdem andere „Partner“ als bisher an der Seite des malischen Militärs gegen die radikalen Kräfte kämpfen, sei vieles in Mali sicherer geworden – man spürt deutlich die Hoffnung, dass es endlich wieder aufwärts geht. Gleichzeitig kommt Pastor Sory mit einem Tag Verspätung, weil er einen jungen Mann aus seiner Kirche beerdigen musste, der bei einem Angriff radikaler Gruppen auf eine Polizeistation ums Leben kam – Hoffnung und Sorge gleichzeitig.

 

Tatsächlich erlebe ich die malischen Geschwister in politischen Fragen sehr zweigeteilt: entweder ist alles jetzt auf einem guten Weg oder wir stehen vor dem Abgrund – dazwischen scheint es nicht viel zu geben. Es wird heftig, aber respektvoll diskutiert, das Gegenüber mit seiner anderen Überzeugung stehen gelassen und dann auch wieder, ohne sich festzubeißen, ein anderes Thema angesprochen. Ich lausche diesen Diskussionen aufmerksam, bringe aber auch meine Sichtweise ein. Aber dass wir Europäer da eine frankreichgefärbte Sicht haben, davon sind die meisten überzeugt, noch bevor ich den Mund aufmache. Möglicherweise haben sie ja recht!?!

 

 

 

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