Düstere Aussichten?

Verantwortliche Mitarbeiter der evangelischen Allianz in Mali sitzen zusammen und überlegen gemeinsam, was auf uns als Kirche zukommen kann. Was da zusammen getragen wird, ist nicht gerade ermutigend: Zum ersten Mal verschwand mitten in Bamako ein europäischer katholischer Priester. Auch wenn sich bisher niemand dazu bekannt hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er entführt wurde. Aber wer steckt dahinter? Kriminelle? Leute, die noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hatten? Islamisten? Lange Zeit haben die islamistischen Bewegungen in West-Afrika die Kirchen einigermaßen in Ruhe gelassen. Das scheint sich aber immer mehr zu ändern. Ein mehrheitlich christliches Dorf wurde vor wenigen Wochen mit Gewalt dazu aufgefordert, seinem Glauben zu entsagen und den Islam anzunehmen. In einem anderen Dorf wurden, so hört man, alle Männer, egal welcher Religion sie angehörten, getötet. Manchmal hat man Augenzeugen, die einem aus erster Hand Bericht erstatten können, manchmal sind es nur Gerüchte, die schwer nachzuprüfen sind.

Auch der Ton mancher bisher eher moderater Imame wird schärfer und sie greifen die Christen in ihren Predigten offen an. Der neue Verfassungsentwurf, der gerade auf vielen Ebenen diskutiert wird, sieht weiterhin vor, dass Mali ein laizistischer Staat (Trennung von Staat und Religion) bleibt, aber viele Kräfte kritisieren das und versuchen durchzusetzen, dass der Islam Staatsreligion wird.

Christen stellen sich darauf ein, dass es schwerer wird ihren Glauben hier in Mali frei zu leben. Aus dem Norden und dem Zentrum des Landes flüchten immer mehr Menschen in den Süden und in die großen Städte, darunter viele Christen, die sich bedroht sehen. Die Kirchen in Bamako bereiten sich darauf vor, wie sie die Flüchtlinge in Zukunft aufnehmen können. Auch im Nachbarland Burkina-Faso sieht es nicht besser aus: man zeigt uns eine Liste von über 170 namentlich genannten Pastoren, die ihre Dörfer verlassen mussten und in umliegende Städte geflüchtet sind.

Das sind noch schleichende Entwicklungen, aber es ist unübersehbar, dass das tolerante Mali, in dem wir früher gelebt haben, sich stark verändert. Wo geht das hin? Jesus sagt im Lukasevangelium: „Wenn diese Dinge zu geschehen beginnen, richtet euch auf und fasst Mut, denn dann ist eure Erlösung nahe.“ Diesen Mut, diese Gewissheit wünschen wir unseren malischen Mitchristen!

 

 

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