Geduldige Gelassenheit

Jahreshauptversammlung mit 60-70 Kirchenvertretern aus (fast) dem ganzen Land. Wir treffen uns in einem Stadion außerhalb Bamakos, was die Kirche zu diesem Zweck angemietet hat – nicht wegen des Spielfeldes, vielmehr wegen der Räumlichkeiten: geschlafen wird in den Spielerkabinen und dem Physiotherapieraum. Außerdem sind es die sanitären Anlagen, die der Grund dafür sind, dass wir uns hier eingemietet haben, weil diese im Stadion reichhaltiger sind als anderswo. Die sanitären Anlagen… nun, das war wenigstens der Grundgedanke, aber hier angekommen mussten wir feststellen, dass der Zustand – selbst für malische Verhältnisse – nicht gerade erfreulich war. So weit so gut, dann stellten wir fest, dass kein Wasser aus den Hähnen kam. Ja, das würde nur von 18:00 bis mittags funktionieren. Um 19:00 war aber immer noch nichts da. Also füllten die armen Frauen Eimer für Eimer aus dem einzig funktionierenden Hahn mitten im Hof, damit wir uns nach dem heißen Tag „duschen“ konnten. Außerdem, so wurden wir gebeten, bitte reichlich Wasser nach dem Toilettengang nachschütten, damit der Geruch nicht in die Schlafräume nebenan dringt. 24 Stunden später kommt immer noch kein Wasser.

Dann der nächste Schlag: Der Strom… ja, der Strom… leider ist der Trafo durchgebrannt und ein neuer zu teuer – sorry, aber Strom gibt’s diesmal nicht, also auch kein Ventilator, kein Licht.

Eigentlich eine unglaubliche Situation. Wie kann man unter diesen Bedingungen eine Jahreshauptversammlung bei 40°C im Schatten abhalten. Und bei allem inneren Kopfschütteln meinerseits fasziniert mich wieder einmal diese unglaubliche Gelassenheit meiner malischen Glaubensgeschwister: Es wird über die Ursachen des Problems diskutiert, Alternativen für’s nächste Mal abgewogen, überlegt, ob man woanders nicht besser aufgehoben wäre. Aber trotzdem lebt man einfach mit der Situation, so, wie sie ist. Worte wie „unerträglich“ oder „Zumutung“ fallen nicht, keiner beschwert sich bei den Organisatoren. Weil das Licht nicht geht, verschiebt man die Abendveranstaltung einfach nach vorne und nach draußen. Geht doch auch… Und das sind hier nicht nur ganz einfache Leute irgendwo aus einem kleinen Dorf. Viele der Kirchenvertreter haben verantwortungsvolle Posten und gute Gehälter auf ihrer Arbeit und wohnen in Häusern mit zumindest für Malier gehobenen Komfort. Aber das größte Problem, was ich immer wieder höre, ist: „Wo können wir denn dann unsere Handys aufladen???“

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