Heute Morgen waren wir in Noumoubougou – schöner Name, oder? Ein Vorort von Bamako direkt an der Hauptstraße mit einer kleinen Kirche. Vor Jahren war ich schon einmal dort, damals war das Gebäude noch aus Lehm, mittlerweile dient ein unverputzter Zementbau als Gottesdienstraum. Auch vier Ventilatoren gibt es schon – leider nur für die Zuhörer, nicht für Pastor, Gottesdienstleiter und Ehrengäste, daher muss ich eifrig meinen Fächer bedienen.

Für meine Predigt fehlte mir noch eine griffige Einleitung, aber die kam mir heute vor dem Frühstück: Der Vogel-Strauß und seine angebliche Kopf-in-den-Sand-Strategie. Strauße fanden sich lange Zeit freilebend im Sahel und nur wenige Kilometer von Bamako entfernt gibt es eine Straußenfarm. Auch gibt es Namen für diese Tiere in den einheimischen Sprachen – also wohl der optimale Einstieg, um die Leute in ihrer Lebensrealität abzuholen. Vorher hatte ich mich noch kundig gemacht, woher denn dieser Irrglaube des Kopf-in-den-Sand-steckens überhaupt kommt.
Und so beginne ich meine Predigt fröhlich mit dem Satz: „Ihr kennt ja den Vogel-Strauß!“ und blicke auch nach der Übersetzung in ratlose Gesichter. „Na, dieser große Vogel mit dem langen Hals“, weiter ratloses Schweigen. Der Übersetzer (wenigstens er wusste Bescheid!) versuchte zu erklären. Da, der ein oder andere ließ ein zögerliches „Aha“ auf seinem Gesicht erkennen. Das reichte mir, um fortzufahren. „Dann wisst Ihr sicher auch, dass man sagt, der Strauß würde seinen Kopf in den Sand stecken, wenn eine Gefahr auftaucht.“ Erneut dieses höfliche ratlose Schweigen. Offensichtlich noch nie davon gehört. Also muss ich, um die Verwirrung komplett zu machen, erst erklären, was man dem Strauß nachsagt, um dann zu erläutern, dass er das ja gar nicht tut. Wie kriege ich jetzt den Bogen zu dem, was ich eigentlich damit sagen wollte? Die Verwirrung ist mittlerweile komplett und ich entschließe mich, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, den Strauß einfach Strauß sein zu lassen und mit meinem Thema weiterzumachen. Wie schön, dass die Gemeinde so wohlwollend ist und dem Weißen verzeiht, dass er, statt einen Bibeltext am Beginn der Predigt zu lesen, irgendwelche unverständlichen Dinge aus der Zoologie erzählt. Sie hören einfach freundlich weiter zu.

Und ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren in Uganda zum Palmsonntag in einer Kirche war und die Pastorin den Städtern in Kampala erst einmal ausführlich erklärte, was denn ein Esel sei. Vielleicht hätte ich mir doch ein Beispiel an ihr nehmen sollen – oder, und das werde ich wohl nächsten Sonntag tun, den Strauß einfach weglassen und mir eine andere Einleitung überlegen.
Als wir nach dem Gottesdienst und vor dem Mittagessen noch zusammensaßen, holte der Pastor sein Handy raus und suchte ein Foto von einem Strauß, das er dann den Anwesenden zeigt. So wurde wenigstens die Allgemeinbildung noch etwas aufgefrischt – immerhin!

