Früher Tod

35 Jahre ist er alt geworden, der erstgeborene Sohn eines befreundeten Pastors. Am Abend bekam er Bauchschmerzen, wurde ins Gesundheitszentrum gebracht und dort mehr oder weniger sofort operiert. Schon nach der OP äußerte sich der Chirurg skeptisch. Am nächsten Morgen fand man ihn tot in seinem Bett. Zurück lässt er seine Frau und seinen kleinen Sohn. Wir bekamen die Nachricht vor ein paar Wochen in Deutschland, schickten sofort unsere Beileidsbekundungen per WhatsApp. Heute besuchten wir ihn und seine Frau. Wir werden in ihr Wohnzimmer gebeten und zunächst begrüßen wir einander ausführlich, weil wir uns seit einem Jahr nicht gesehen haben. Seine Frau macht sich im Hof zu schaffen, sitzt nicht bei uns. Nach ein paar Worten hin und her sagen wir, warum wir gekommen sind, dass wir betroffen sind von dem Tod ihres Sohnes und ihnen nun unser Beileid persönlich ausdrücken wollen. Der Schmerz sei besonders in den ersten Tagen groß gewesen, antwortet er. Wir könnten Gottes Plan nicht verstehen, aber dieser sei trotzdem gut, auch wenn er nicht nachvollziehbar wäre. Seine Frau kommt rein, bringt uns etwas zu essen, geht wieder in den Hof. Wir essen zusammen, reden weiter auch über andere Dinge. Nach einiger Zeit wollen wir aufbrechen, bitten ihn unser Beileid seiner Frau weiterzugeben. Aber er ruft sie zu uns, sie setzt sich kurz, er sagt, warum wir gekommen sind, und wir wiederholen unser Beileid. Auch wenn wir ihren Schmerz nicht wieder entfachen wollen, möchten wir ihr doch sagen, dass wir in unseren Gebeten bei ihnen sind. Sie bedankt sich, gefasst, aber die Trauer ist offensichtlich. Dann beten sie für uns und unseren Aufenthalt in Mali. Beim Verabschieden nimmt Gerlind sie in den Arm und die Tränen brechen durch. Ein kurzer Moment der emotionalen Begegnung. Sie geht schnell wieder ins Haus. Er begleitet uns noch ein paar Meter unseres Weges.

Und bei aller Traurigkeit ist da doch ihr starker Glaube, dass Gott es richtig macht, dass bei all unserem Unverständnis und Fragen nach dem Warum doch über allem steht: Gott ist gut.

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