Aus der Not eine Tugend?

Mittlerweile ist es 4 Monate her, dass wir unsere Malireise aufgrund der Treibstoffkrise absagen mussten. Und nun? Alles wieder normal?

Die Treibstoffkonvois sind jetzt mit starker militärischer Präsenz unterwegs und so gelingt es den Terroristen kaum noch sie aufzuhalten. Daher hat sich vieles entspannt – vieles, aber längst nicht alles. In Bamako gibt es immer mal Engpässe, aber sie dauern nicht mehr länger an. Vorgestern, als wir zu einem Besuch fuhren, standen zahlreiche LKWs am Straßenrand, weil es gerade kein Diesel zu kaufen gab. Benzin ist gerade kein Problem – das kann sich aber morgen schon wieder ändern. Auch die Überlandbusse fahren wieder, obwohl die Regelmäßigkeit noch nicht so ist wie früher.

In den Städten landeinwärts sieht es allerdings anders aus: Mal gibt es Benzin aber keinen Diesel – mal ist es umgekehrt. Die Regierung hat dafür gesorgt, dass mit der Spritkrise keine Geschäfte gemacht werden und somit bleiben die Tankstellenpreise stabil: 1,15 € kostet der Liter Benzin (nein, wir bringen nichts mit!) und an vielen Stellen wird streng kontrolliert, dass die Preisbindung nicht umgangen wird. In anderen Gebieten allerdings funktionieren die Kontrollen nicht. Der erworbene Sprit wird in Flaschen umgefüllt und, ohne dass man Schlange stehen muss, für deutlich mehr Geld verkauft. In der Zeit, als es an den Tankstellen gar nichts zu kaufen gab, so erzählte mir ein Freund, mussten sie bis zu 7,50 € für den Liter auf dem Schwarzmarkt zahlen. Wenn nicht kontrolliert wird, finden sich immer wieder Menschen, die mit der Not anderer Geschäfte machen. Also doch nicht alles normal? Ja und nein, denn irgendwie sind das Schlangestehen und die Unsicherheit, wann es wieder Sprit gibt, zur Normalität geworden.

Eine andere Einkommensquelle, die durch die Treibstoffknappheit entstanden ist, lässt mich dann doch schmunzeln: Zwischenzeitlich gab es einzelne Tankstellen, an denen extra Schlangen für Frauen eingerichtet wurden, damit die armen Damen nicht so lange in der Sonne stehen mussten (und vielleicht auch, damit sie nicht von der Hausarbeit abgehalten wurden…). Das wurde dann für manche zum Geschäftsmodell: Die Motorradtaxifahrer überließen am Ende der Frauenschlange ihr Fahrzeug einer Dame, die sich bereitwillig anstellte, das Motorrad befüllen ließ, sich ein paar Francs dafür geben ließ und wieder zum Ende der Schlange ging, um ein neues Motorradtaxi entgegenzunehmen…

Es gibt in Mali wohl kaum etwas, mit dem man nicht irgendwie auch Geld verdienen kann.  

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