Heute ist Schluss mit der Fastenzeit der Muslime in Mali. Heute ist das Zuckerfest. Nicht mehr den Tag über hungern und dürsten und am Abend kräftig trinken und essen. Die ersten Wochen war das Klima noch o.k., aber die letzte Woche wurde es dann doch ziemlich heiß, sodass gerade das Verzichten auf Flüssigkeit sehr herausfordernd war. Noch gestern Abend schien nicht klar, ob auch heute noch gefastet werden muss – schließlich muss ja erst der Neumond gesehen werden. Tatsächlich aber habe ich noch nie erlebt, dass nicht irgendwer die Mondsichel entdeckt hat.

Vor wenigen Tagen war die „Nacht der Macht“ oder „Nacht der Bestimmung“. In dieser bleiben fromme Muslime wach und im Gebet bis zum Morgen. Bestimmte Suren werden rezitiert und so hören wir auch mitten in der Nacht immer wieder Gebete über Lautsprecher aus den Moscheen in der Nähe. „Muslime auf der ganzen Welt freuen sich jedes Jahr auf diese Nacht, denn sie ist mehr als 83 Jahre Gottesdienst wert“,
schreibt eine islamische Internetseite und „die in dieser Nacht durchgeführten Aktionen sind besser als die Aktionen, die in 1000 Monaten außer Ramadan durchgeführt wurden.“ Viele glauben, dass in dieser Nacht bestimmt wird, wie das kommende Jahr für sie aussehen wird. Kein Wunder, dass viele aufbleiben.
Und auch heute, allerdings tagsüber, werden viele Gebete gesprochen. Natürlich gibt es – wie in allen Religionen – auch Menschen, die aus Gewohnheit, gesellschaftlichem Druck, dem Zusammengehörigkeitsgefühl die verschiedenen Rituale mitmachen. Aber genauso gibt es viele, die Gott aufrichtig suchen und dies besonders an diesen Tagen. Und wie sehr wünsche ich mir, dass sie den kennenlernen, der zugesagt hat, dass er sich von den Suchenden finden lässt, den, der nicht zählt, wieviel ein Gebet wert ist, der vielmehr gesagt hat, dass unser himmlischer Vater schon weiß, was wir brauchen, den, der vergibt, wenn wir ihn darum bitten und nicht danach fragt, wieviel wir geleistet haben! Und wir beten dafür, dass auch unsere Arbeit dazu beträgt, dass die, die suchen, Jesus Christus finden.

Am Abend gehen Manuel und ich noch eine Runde joggen. Es ist ein wenig pietätlos, wie wir da mit unseren Sportsachen an wunderschön angezogenen jungen Damen und Herren vorbeilaufen und an Kindern, die ihre Haare kunstvoll geflochten haben. Aber als wir dann am Niger im Luxusviertel von Bamako ankommen, ist die Mehrzahl der Spaziergänger auch in kurzen Hosen: Hier ist Chinatown, in der die hier arbeitenden Chinesen wohnen und Malier deutlich in der Unterzahl sind. Da ist vom Ramadan kaum mehr etwas zu merken.

