Der Streik wider den Streik

Es kann einen schon manchmal zur Verzweiflung bringen: Mali hat so viele Probleme und dazu noch eine Schulbildung, die allen im Lande Sorge macht. Wie würde man sich da wünschen, dass alle an einem Strick ziehen: Schüler, Eltern, Lehrer, Politiker… Stattdessen wird gestreikt, was das Zeug hält. Die Lehrer haben alle möglichen Forderungen: mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen, ausgewogenen Vertretung in was-weiß-ich-für Gremien… Ich kann nicht beurteilen, was davon berechtigt ist und was nicht. Die Folge ist aber, dass der Schulunterricht an den öffentlichen Schulen alle Nas lang ausfällt: schon am ersten Schultag im Herbst begann der erste Streik und die Eröffnung musste verschoben werden und seitdem wechseln Streik und Schulzeit sich ab – jedoch hat es seitdem mehr Zeiten ohne als mit Schule gegeben und langsam mehren sich die Stimmen, die davon ausgehen, dass das „une année blanche“ wird: ein Jahr, wo keine Prüfungen stattfinden können, weil nicht genug Schulzeit war – also: alle müssen wiederholen.

Jetzt reicht es den Schülern und die Schülervereinigung hat einen Streik wider den Streik organisiert. Regierung und Lehren sollen sich endlich einigen und die Streiks beenden, sonst kommen die Schüler nicht zum Unterricht. Was sich zunächst völlig paradox anhört, hat doch seine Berechtigung. Denn diesmal bestreiken die Schüler auch die Schulen privater Träger. Vor Jahren hatte der damalige Premierminister und jetzige Präsident den Schülern gesagt, sie würden sich mit Streiks ja nur ins eigene Fleisch schneiden, denn die Kinder der Reichen und Politiker würden auf private Schulen gehen und somit der Unterschied zwischen ihnen nur noch größer. Also schicken jetzt die Schüler Streikposten auch an private, ausländische und konfessionelle Schulen und fordern die Schüler auf, den Unterricht zu verlassen. Schulen, die trotzdem weiter Unterricht geben, laufen Gefahr Opfer von Vandalismus zu werden. Ob das hilft? Leidtragend sind immer die Kinder und was das beste Mittel ist, die Verantwortlichen zur Verständigung zu bringen, ist schwer zu sagen. Aber verstehen kann ich die Schüler allemal. Was bleibt an Zukunft, wenn man dir die Schulbildung nimmt oder auf ein Minimum reduziert?

Und deshalb hätte ich heute eigentlich gar nicht „unsere“ Schule in Niamana besuchen können, denn der Unterricht sollte aus Vorsichtsgründen auch dort ausfallen. Aber da die Ferien vor der Tür stehen, haben sie doch ein bisschen Unterricht gemacht, damit ich nicht nur leere Gebäude sehe. Und wie immer war es eine Freude, dem Unterricht beizuwohnen: Spielerisch in kleinen Theaterstückchen lernten die Erstklässler in Alltagssituationen Französisch zu sprechen: Ein Einkauf auf dem Markt, wo kleine Stöckchen die Tomaten und Bananen darstellten. Und dann ein Gespräch über Kopfschmerzen und wo man am Besten Hilfe finden kann. Manche Kinder brüllten ihren Text geradezu hinaus, andere flüsterten kaum hörbar vor sich hin – aber allen schien es Spaß zu machen. Und dann die Pause: die neu angeschafften Spielgeräte waren der Renner: unter einem kleinen Wellblechdach tummelten sich alle 40 Schüler und bevölkerten die soliden Schaukeln, Wippen, Rutschen… Deutliches Zeichen ihrer Begeisterung: als ich zum Auto ging und die obligatorischen Gummibärchen rausholte, wären normalerweise alle Kids im Eiltempo bei mir gewesen – heute war keiner vom Spielplatz wegzukriegen und ich konnte die Tüten in aller Ruhe an Lehrer Bamadio und Dolo geben.

Herr Dolo und Herr Bamadio haben Pause

Karussell fahren

Kategorien: Allgemein

2 Kommentare

  • Birgit Schneider sagt:

    Da geht mir das Herz auf, wenn ich lese, dass Kinder begeistert beim Unterricht mitmachen und in der Pause Karussell fahren und rutschen können. Und dann noch zwei Lehrer mit einem großen Herz für die Kinder und für Gott. Da will ich für noch mehr solcher Schulen beten und für eine Weise Lösung in der Schulpolitik Malis.

  • nürnberger, petra sagt:

    ja icih stimme die Aussagen von Frau Schneider zu. Wenn ich daran denke , die Arbeit an unseren Schulen waren nicht leicht, denn Eltern und Lehrer haben nicht an einem gleichen Strang gezogen. Die Kids haben teilweise auch keine große Lust am Lernen gehabt. Klar, wenn keine Einigkeit herrscht, dann kann auch nix werden. Wenn ich sehe, wie hier in Afrika, die Kinder sich freuen über jede Kleinigkeit, ja das finde ich auch ganz toll. Ich finde es auch sehr gut, dass es solche Projekte gibt. Alles gute und weiterhin gutes Gelingen

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