Fotoshooting mit Pastor Enoc

Im Mai kommt eine Delegation von 5 Maliern zu uns nach Deutschland und wir planen schon lange das Programm und freuen uns auf die gemeinsame

eine von Enocs Töchtern

Zeit – wenn sich die Gegebenheiten mal umdrehen und wir die Gastgeber und die Malier die Gäste sind. Pastor Enoc wird auf dem AM-Freundestag die Predigt halten und da er davor mit einem kurzen Clip vorgestellt werden soll, war gestern ein Foto- oder vielmehr Filmshooting angesagt. Und so hatte ich Gelegenheit an einem Nachmittag durch die wichtigen Lebensräume dieses vielseitigen Pastors geführt zu werden. Zwar waren mir seine Aktivitäten an sich bekannt, aber wenn man sie dann mal so alle hintereinander besucht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus:

Wir begannen in seiner Familie. Enoc und Madeleine haben 5 Mädchen und

REMAR

3 Jungs, einige davon schon erwachsen, aber immer noch viel zu tun und auch für die Ausbildung zu bezahlen. Dann machten wir uns auf den Weg zu einem Projekt „REMAR“, wo sich ein Team von Leuten aus verschiedenen afrikanischen Ländern um Straßenkinder kümmert. Enoc ist da – wie soll man sagen – so eine Art Vorstandsmitglied und nicht selten auch mal gefordert, wenn man ganz praktisch den Kids helfen muss.

Später besuchten wir seine Schule, die er vor Jahren gegründet hat und in der

als Bauherr der Schule

jetzt hunderte von Kindern lernen und die immer noch weiter aufgestockt wird. Enoc stellt die Lehrer ein, kümmert sich mit Hilfe anderer um die Finanzen, hat die Bauaufsicht und fragt mich dann noch, ob ich mir mal ein Kind anschauen könne, das an Asthma leide und um das er sich Sorgen mache – selbst dafür hat er noch einen Blick.

als Viehzüchter

Und weiter geht die Reise, vorbei an seinem Reisfeld, wo er dieses Jahr 42 Sack Reis ernten konnte, zu dem, was mich am meisten beeindruckt: Enocs Schweinefarm! Ein Pastor der bei den Schweinen gelandet ist??? Ca. 45 Minuten von der Hauptstadt entfernt liegt sein Viehzuchtprojekt – die 35 Rinder sind mit den Hirten unterwegs, aber die Schweine sind alle in ihrem Gehege. Da stapft er mit seinem blauen Anzug zwischen den Schweinen herum, gibt mal hier, mal da einer Sau einen Klaps auf den

und nochmal als Viehzüchter
Imam

Hintern und erklärt mir, was er hier tut: Schweinefleisch ist sehr gefragt – sowohl von Restaurants als auch von Privatleuten. Und so fing Enoc vor Jahren mit 2 Schweinen sein Projekt an auf einem Grundstück, das für die Leute im Dorf wertlos schien. Mittlerweile holt jemand jeden Tag fässerweise Essensreste kostenlos aus den Restaurants in Bamako ab und bringt sie zur Schweinefarm. Dort arbeiten eine Reihe von Leuten, füttern und tränken die Schweine, bewachen das Grundstück vor Schweinedieben und bringen den Schweinkot zusammen, damit er sowohl für Enocs Reisfeld als auch für so Manchen im Dorf als Dünger dient. „Das Projekt“, so erklärt er mir, „bringt nicht nur mir ein gutes Auskommen. Ich habe damit auch die Möglichkeit einer Reihe von Leuten Arbeit zu geben. Außerdem ist das auch für meine Arbeit als Pastor wichtig: die Leute sehen, dass ich nicht nur im Büro sitze oder auf der Kanzel stehe, sondern dass ich mit meinen Händen arbeite wie sie auch – das bringt so manchen Kontakt auf eine persönliche Ebene.“ „Kontakte zur Dorfbevölkerung durch Schweinezucht im islamischen Umfeld??“, denke ich und rümpfe innerlich eine bisschen die Nase, aber dann werde ich eines Besseren belehrt: vor der Schweinefarm sitzt der Imam des Dorfes und hat ein offensichtlich sehr herzliches Verhältnis zu Enoc – die zwei begrüßen sich freundschaftlich und sind sofort miteinander im Gespräch – Schweine hin Schweine her…

Ins Gefängnis fahren wir heute nicht mehr, da waren wir schon beim letzten Besuch, aber auch da arbeitet Enoc mit als Gefängnispastor. Dass er außerdem noch Pastor der Zentralgemeinde und Präses unseres Gemeindebundes ist, sei nur am Rande erwähnt.

Wie macht er das? Hat bei ihm der Tag 72 Stunden? Enoc hat ein Händchen dafür, Arbeit an andere zu delegieren. Er muss nicht alles selbst machen und er fängt klein an, lernt aus Rückschlägen und ist immer neugierig. Ich freue mich drauf, wenn Enoc im Mai zu uns kommt. Ich glaube, wir können in Deutschland viel von ihm lernen – z.B., dass ein Pastor bei den Schweinen nicht unbedingt der verlorene Sohn ist, sondern vielleicht der, der den verlorenen Söhnen und Töchtern in ihrem Mist begegnet.

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