Ausgeschweint?

Erinnert Ihr Euch noch an Enocs Schweinezucht? Vermutlich – wenn man einmal davon gehört hat, vergisst man das nicht so leicht. Gestern Morgen trafen wir uns mit Enoc und er erzählte uns ausführlicher, was wir schon aus einer Mail vor ein paar Wochen erfahren hatten: dass fast alle seine Schweine durch eine Seuche ums Leben kamen. Es fing bei ein paar wenigen an: morgens wollten sie nicht fressen, wurden immer schlapper, abends waren sie tot. Dann ging die Erkrankung auf die anderen über, nahm denselben Verlauf und innerhalb weniger Tage war Enocs große Schweineherde reduziert auf 3-4 Exemplare, die die Seuche aus irgendwelchen Gründen überlebt haben – die afrikanische Schweinepest! Natürlich holte er schon nach kurzem einen Veterinär, der gab Spritzen und andere Medikamente, aber das half alles nichts: die Sterberate bei der afrikanischen Schweinpest liegt bei fast 100% – mit und ohne Medikamente. Aber weder aus finanziellen noch aus kulturellen Gründen würde ein Veterinär einfach sagen, „da kann man nichts machen“. Das ist bitter – nur ein paar Tage, keine Chance etwas zu tun und das seit Jahrzehnten aufgebaute Projekt am Ende. Wo kommt die Erkrankung her, wie kann sie vermieden werden? Die Ansteckung geht von Schwein zu Schwein – aber auch über Zecken und verseuchte Lebensmittel kann die Krankheit übertragen werden. Und da das Schweinefutter vor allem aus Essensresten von Hotels in Bamako besteht, gibt es wohl kaum eine Chance, herauszufinden, wie die Epidemie in den Schweinestall kam und somit in Zukunft auch vermieden werden könnte.

Nahezu die gesamte Schweinzucht innerhalb von einer Woche dahin. Finanziell entspricht das ca. 3 durchschnittlichen Jahresgehältern in Mali. Und keine staatlichen Mittel, keine Förderung des Landes kommen einem da zu Hilfe. Was weg ist, ist weg. Wie gut nur, dass die Schweinepest – anders als die Schweinegrippe – für den Menschen nicht gefährlich ist.

Und jetzt? Spontan denke ich an die Geschichte Hiobs, die ich gerade lese: wie ein Bote nach dem anderen kam, um zu berichten, dass die Viehherden Hiobs umgekommen oder gestohlen wurden. Aber bei Enoc sind es „nur“ die Schweine. Seine Rinder, sein Reisfeld und seine anderen Projekte sind von dem Unglück nicht betroffen, doch auch er erzählt uns mit großer Gelassenheit von der Seuche. „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Namen des Herrn sei gelobt“… sagt er zwar nicht ausdrücklich, aber dieselbe Haltung wird bei ihm deutlich. Und er fängt wieder an, mit 4-5 Schweinen – schließlich hängen auch einige Arbeitsplätze an dem Projekt Schweinezucht. Möge Gott ihm Gelingen geben!

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