Traumhaft schönes Mali

Manchmal kann man das vergessen, wenn man nur im (Fein-)Staub Bamakos rumwurschtelt, wenn man immer wieder von den Anschlägen hört, wenn einen die ständige Hitze müde macht, wenn es einen nervt, immer aufzufallen, weil man weiß ist… Heute Nachmittag erinnerte mich Gott dran, wie schön Er dieses Land geschaffen hat:

Nach einem informativen und sehr persönlichen Treffen mit den Verantwortlichen eines Straßenkinderprojektes gönnen Arno, Markus und ich uns am Nachmittag eine Fahrradfahrt entlang des Kanals, der zur Bewässerung von Reisfeldern neben dem Niger fließt. Markus Fahrrad ist aus Karbon, Arnos aus Stahl, meins, was wir irgendwo hier in einem Schuppen finden konnten, ist gefühlt aus Gusseisen, dafür aber ohne Gangschaltung (so hatte ich eine Ausrede, wenn ich mit ihrer Geschwindigkeit nicht mithalten konnte 😊). Die Temperatur war mittlerweile fast angenehm – besonders mit der Frische des Wassers neben uns. Rechts der Kanal mit lauter Seerosen, links Reisfelder, Bananenstauden und Papayas. Wir fahren auf einer Piste aus roter Erde, die unsere Haare langsam aber sicher zu einer interessanten Farbe verändert. Ein Junge fährt neben uns mit seinem viel zu großen Fahrrad – das kann er nur im Stehen, denn der Sattel ist für ihn nicht erreichbar. Er freut sich die 3 Weißen auch auf Fahrrädern neben sich zu sehen und gibt Gas, damit er trotz seiner Körpergröße mithalten kann. In der Ferne sieht man auf der anderen Nigerseite Stadtrandbezirke auf langgestreckten Sandsteinhügeln. Männer mit Motorrädern kommen uns entgegen, beladen mit Gräsern oder Viehfutter, Schüler aus dem Nachbarort mit ihren Rucksäcken sind auf dem Weg nach Hause. Drei von ihnen stellen sich in einer Reihe auf, strecken die Hände aus und klatschen uns ab. Hier und da stehen junge Leute mit selbstgebauten Angeln und versuchen ein paar kleine Fische fürs Abendbrot aus dem Kanal zu holen. An anderen Stellen habe Leute Fischreusen aufgestellt, damit sich der Fang auch lohnt. Das ganze Ambiente ist so ruhig, entspannt, freundlich und idyllisch, dass man den Eindruck hat, hier richtig durchatmen zu können. Bei der Brücke nach Dougourakoro drehen wir um. Hier ist die Gemeinde, deren Pastor vor wenigen Wochen so plötzlich verstorben ist, aber für einen Beileidsbesuch bei seiner Familie haben wir nicht das richtige Outfit. Als wir den Rückweg antreten steht die Sonne tief über dem Niger, groß und rot. Man möchte sich ans Nigerufer setzen und einfach zuschauen, wie sie immer tiefer tritt, aber bei der Nähe zum Äquator kommt die Dunkelheit viel schneller als in Deutschland – daher können wir uns keine Pause können, sondern müssen zurück, denn Licht haben unsere Fahrräder alle nicht. 20 km entlang am Kanal – so schön ist Mali auch!

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