Aus dem Staub oder in den Staub gemacht?

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man online einchecken will und Air-France bietet einem auf dem Eingangsbildschirm an, den Flug wegen Corona kostenlos zu stornieren. Und dann bei der Sitzplatzauswahl: gähnende Leere im Flieger. Bin ich gefährlich für die Umwelt oder die Umwelt für mich? Wieder steht eine Reise nach Mali an – schon lange geplant und in den letzten Wochen immer wieder die Frage, ob das überhaupt möglich sein wird. Vor wenigen Jahren gab es die Ebola-Epidemie in West-Afrika und nachdem wir wieder in Deutschland waren, hielt dann doch der ein oder andere Abstand von uns – wer wusste schon, ob wir da nicht was mitgebracht hatten… Und jetzt? Diesmal umgekehrt: heute wurde der erste Fall von Corona in Leipzig bekannt – werden jetzt die Malier einen Bogen um mich machen? In Mali wurde bisher noch niemand positiv auf Corona getestet… Auch fällt es mir nicht ganz leicht meine Kollegen „alleine“ zu lassen in dieser Situation, wo keiner wissen kann, wie es weiter geht. Da mache ich mich also aus dem Staub und komme doch in den Staub, die Hitze und den Schweiß, denn in Mali ist es schon gut heiß und das Thermometer klettert regelmäßig auf 40°C – kann man nur hoffen, dass dem Virus das auch zu heiß ist.

Und nun bin ich gespannt, ob das in Mali überhaupt Thema ist. Hamsterkäufe wird es wohl kaum geben, denn die meisten Menschen leben ja nicht vom Supermarkt, sondern von dem, was sie selbst angebaut haben – zumindest ein Problem weniger! Und so erwarten mich statt der Frage, ob Schutzanzüge exportiert werden dürfen, viele Gespräche und Begegnungen dazu, welche Schritte in nächster Zeit gegangen werden sollen: So möchte die Kirche ihre Arbeit in den Süden des Landes ausdehnen und hat erste Schritte unternommen, damit in einer Region, in der die gute Nachricht von Jesus fast unbekannt ist, Gemeinden gegründet werden können. Außerdem sind Kirche und NGO in Dörfern um Bassian (ca. 70 km von Bamako entfernt) tätig und auch da braucht man Mitarbeiter. Überall werden Leute gesucht, die die Arbeit fördern können: mal wird ein P

Gruppenfoto in Bassian

raktikant dorthin geschickt oder auch ein Pastor in Rente wieder mobilisiert, weil viel zu wenig Nachwuchs da ist. (Es hapert natürlich nicht an der Geburtenrate, sondern daran, dass sich nur so wenig Christen theologisch ausbilden lassen) Ist das also Mut im Glauben oder realitätsfremde Expansionsbemühung? Auf jeden Fall imponiert mir, dass bei allen Schwierigkeiten, die das Land hat, die Zeichen nicht auf ängstlichen Rückzug, sondern auf vorwärts gerichteten Aufbruch stehen. Ich bin auf den Austausch mit unseren Geschwistern gespannt und freue mich, dass mein Horizont erneut erweitert werden wird.

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