Wer hat den Koranlehrer gesehen?

Vor ein paar Jahren habe ich ihn kennen gelernt, kam zufällig an ihm und seiner Koranschule vorbei, wir haben ein bisschen geschwätzt und ich durfte ihn und seine Schüler filmen. Später habe ich ihn erneut besucht – diesmal hat er mich zu Hause empfangen und wir haben uns auf der Sprache der Peulh nett unterhalten. Vorgestern habe ich erneut versucht ihn aufzusuchen, aber Bamako verändert sich ständig, immer werden neue Häuser gebaut, Wege verändert, da erkennt man nichts wieder. Und, so ein Mist, ich habe seinen Namen vergessen – war es nicht Aboulaye oder Abdramane? Und dann irgendwas mit T… Als ich mich der Gegend nähere, in der sein Haus gestanden haben muss, treffe ich auf ein paar Koranschüler, die auf dem Flachdach eines Rohbaus sitzen und Koranverse rezitieren. Ich frage sie nach ihrem Lehren und tatsächlich: Abdoulaye Traoré heißt er – nur leider nicht zu Hause, aber er käme morgen früh wieder. Und sie zeigen mir noch grob, wo sein Haus ist – gar nicht weit, da vorne, nur die Straße zu Ende gehen. Also bestelle ich Grüße und sage, ich käme morgen wieder. Dann gestern wieder los: leider ist es ein bisschen zu warm für Koranschüler, um auf Betondächern zu sitzen und so finde ich meine freundlichen Wegweiser von gestern nicht wieder. Also den Weg eingeschlagen, so wie sie es mir gezeigt haben. An der Häuserzeile angekommen frage ich einen jungen Mann in seinem kleinen Lädchen, der nicht so ganz versteht, was ich eigentlich will und einigermaßen abweisend scheint – bis ich ihn dann auf Peulh anspreche und sofort geht ein Lächeln über sein Gesicht und sein Verständnis und seine Auskunftsfähigkeit ändern sich schlagartig. Richtig, der Koranlehrer, ja den kennt er, nur noch die Straße runter und dann rechts. Also weiter – am Ende der Straße treffe ich 2 junge Koranschüler und frage nach Abdoulaye Traoré – oh, geben sie mir zur Antwort, der sei leider gestorben! Nanu, gestern war er doch noch auf Reisen, ob das wohl stimmt? Also noch ein bisschen weiter – dort treffe ich auf eine ganze Mannschaft von schon älteren Koranschülern mit ihren mit Koranversen beschriebenen Brettchen. Abdoulaye Traoré? Ne, den gibt es hier nicht – also es gäbe hier viele Koranlehrer, aber keinen mit diesem Namen. So plaudern wir noch ein bisschen und ich mache mich enttäuscht auf den Rückweg: Auf Reisen? Gestorben? Unbekannt verzogen? Was denn nun? Da komme ich an einer Gasse vorbei, die mir bekannt vorkommt (oder scheint mir das nur so?) – auch da sitzen wieder ein paar Koranschüler und ich lass wieder mein Sprüchlein los. Na, klar, Abdoulaye, den gibt es hier – allerdings heißt er nicht Traoré sondern Cissé. Und er sei gerade unterwegs bei einer seiner zahlreichen Frauen in Mopti und keiner weiß, wann er wieder kommt…

Ob ich ihn gefunden habe? Zumindest seinen Wohnort? Dass er geheiratet hat und deshalb statt Traoré jetzt Cissé heißt, ist in Mali eher unwahrscheinlich. Oder waren die, die angaben ihn zu kennen (bis vielleicht auf meine beiden jungen Gesprächspartner) nur höflich, um mich nicht zu enttäuschen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.