Weitermachen – weiterbeten

4 MitarbeiterInnen der Hilfsorganisation aus Sévaré sind nach Bamako gekommen, damit wir uns treffen können. Dass wir zu ihnen fahren und die Projekte nicht nur besprechen, sondern auch anschauen, ist schon seit ein paar Jahren aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Um so mehr freuen wir uns, dass wir ein paar von unseren langjährigen Mitstreitern wieder sehen können. Wir tauschen uns aus und informieren uns gegenseitig nicht nur über die Arbeit, sondern auch, was in Mali und Deutschland, was in unseren jeweiligen Kirchgemeinden und ebenso in unseren Familien vor sich geht. Spätestens als uns ein Mitarbeiter erzählt, dass er sich am grauen Star operieren lassen muss, stellen wir fest, dass alle älter geworden sind.

Der Radius für die Arbeiten in Norden Malis ist stark eingeschränkt: einer unserer Arbeitsschwerpunkte westlich des Nigerflusses ist absolutes Tabugebiet, weil Islamistenhochburg. Auch im Norden Sévarés ist das Arbeiten zu gefährlich: Minen, Überfälle, Autodiebstähle. Selbst weiter südlich in Richtung Burkina Faso, wo unsere Krankenstation „Mankoina“ liegt, ist es auch für Malier zu unsicher hinzufahren, weil sich auch diese Gegend außerhalb aller staatlichen Kontrolle befindet. Auch das tägliche Leben hat sich verändert: als einer unserer Freunde mit der Ernte seines Reisfeldes nach Hause fährt, wird er von Jihadisten angehalten. Sie verlangen „den Zehnten“ und er muss ihnen einen Teil seiner Ernte überlassen, bevor sie ihn weiter fahren lassen. Was tun?

Wir arbeiten weiter, da wo es noch geht, nutzen die Chancen, solange noch Zeit ist. Die Arbeit unter den AIDS-kranken Menschen in Sévaré läuft weiter und auch südlich davon können Gartenbauprojekte, Aufforstung und Alphabetisierungsprojekte weiter durchgeführt werden.

Und wir beten weiter für Mali und für Frieden und Versöhnung in diesem Land. Letzte Tage sagte uns ein langjähriger Freund: „Wir haben so viel gebetet, wir haben gefastet und Gebetsnächte organisiert, aber bisher hat sich die Situation eher verschlechtert als gebessert.“ Und doch: Sie beten weiter und wir wollen sie darin unterstützen, darauf vertrauen, dass Gott handelt. Letztens lasen wir in einem Buch „Die höchste Form der Anbetung ist es, Gott zu vertrauen, auch wenn alles dagegen spricht und man nichts von seinem Eingreifen sieht!“  Aber wir wollen auch dafür beten, dass unsere malischen Geschwister die Gelegenheiten nutzen, die sich durch die Krise im Land bieten und Muslimen zeigen, wie Versöhnung gelebt werden kann und dass wir einem Gott der Liebe dienen.

Aber freuen können wir uns auch miteinander: „Wir können Euch ja leider in Moment nicht mehr bei uns im Norden willkommen heißen, daher haben wir ein Schwein gekauft und im Ofen gegrillt, das wir heute miteinander essen wollen.“ Also nicht nur weitermachen und weiterbeten – auch weiterfeiern gehört dazu!

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