… solange es Tag ist…

Geweckt werde ich vom Geschrei eines Esels. Der Geruch von Karitébutter steigt mir in die Nase. Ein paar Vögel zwitschern, Tauben gurren und der nie endende Verkehrslärm in Bamako bildet die übliche Geräuschkulisse. Halb sieben und es wird hell, wegen der Äquatornähe viel schneller als in Deutschland. Mein Handy surrt kurz: die Ergebnisse unserer Coronatests sind da. Unserer Rückreise steht somit wohl nichts mehr im Wege.

Mali, die menschlichen Prognosen sind nicht rosig. Zwar stellt man in Gesprächen fest, dass die Malier ihrem neuen Präsidenten zutrauen, dass er das Land vorwärts bringt, aber zu sehen ist davon noch nicht viel. Und werden die ausländischen Machthaber ihm eine reelle Chance geben oder nur versuchen ihren eigenen Einfluss zu vergrößern? Besonders im Punkto Sicherheit sind die Aussichten weiterhin eher düster. Unsere Möglichkeiten zu arbeiten sind stark eingeschränkt, die Tagestouren, die wir außerhalb Bamakos gemacht haben, sind schon das höchste der Gefühle. Mehr geht im Moment nicht. Was haben wir es früher genossen, im Dorf oder in kleineren Städten unter freiem Himmel und nur mit Moskitonetz zu übernachten. Jetzt heißt es jede Nacht im Staub und Lärm Bamakos zu verbringen und da ist der Esel von heute Morgen schon fast eine Wohltat.

Viele Missionare und auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen fragen sich, ob sie unter diesen Bedingungen wirklich noch einen sinnvollen Beitrag leisten können. So mancher ist in sein Heimatland zurückgekehrt. Nahezu alle anderen tummeln sich in der Hauptstadt. Macht das noch Sinn?

Jesus hat einmal über sich selbst gesagt: “Ich muss die Aufgaben, die Gott mir gegeben hat, erfüllen, solange es Tag ist. Bald kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.” In Mali ist Dämmerung und wir wissen nicht, in welche Richtung es weiter geht. Wird es bald wieder Tag oder greift die Dunkelheit mehr und mehr um sich? Öffnet sich Mali wieder oder haben wir bald gar keine Möglichkeit mehr dort zu arbeiten? Egal wie es weiter geht, wir möchten versuchen dem Beispiel Jesu zu folgen und das Handtuch nicht werfen, wenn der Kampf noch nicht entschieden ist. Wir wollen, wo immer es geht, unsere malischen Brüder und Schwestern unterstützen und wenn unsere Präsenz ihnen Hilfe ist, dann lohnt es sich. Und wir wollen hoffnungsvoll weiter beten, dass sich die zurzeit verschlossenen Türen wieder öffnen, denn der große Kampf ist längst entschieden!

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