Pastoren unter sich

Ich hänge in meinem Sessel, Füße auf dem Tisch, sehe vermutlich gerade nicht besonders jung und dynamisch aus – fühle mich auch nicht so… Über mir rotiert der Ventilator. Wenn sich die Luft bewegt, schwitzt man nicht so. Das war die letzten beiden Tage nicht immer so: Gestern und heute war Pastorenkonferenz mit Ansgar Hörsting als Gastredner. Ansgar, der viele Jahre als Leiter der Allianz-Mission für Mali zuständig war und jedes Jahr für ein paar Wochen hierhin kam, war nun seit 15 Jahren zum ersten Mal wieder hier. Ich hätte ihm ja gegönnt, nicht bei 40°C unterm Blechdach die Gespräche mit den Pastoren führen zu müssen, aber jetzt ist einfach für die Malier die beste Zeit dafür: Die Ernte vorbei, noch nicht am Höhepunkt der heißen Zeit angekommen und die Aussaht zu Beginn der Regenzeit auch noch nicht in Sicht. Außerdem noch genug Zeit bis zu den Osterfeierlichkeiten.

Zwei Tage sitzen alle zusammen, hören auf Ansgars Bibelarbeit, tauschen sich aus, erzählen von den Freuden und Problemen ihrer Arbeit. Immer wieder wird deutlich, dass die Pastoren hier in Mali keinen leichten Stand haben: materiell gesehen ist das kein Traumjob und auch der Respekt, der einem Pastor noch vor nicht allzu langer Zeit entgegen gebracht wurde, scheint mittlerweile an vielen Stellen zu fehlen. Wir hören so mache Geschichte, bei der wir mit den Ohren schlackern und sind froh, dass offensichtlich eine Atmosphäre bei unserem Treffen entstanden ist, in der auch mal Dinge rausgelassen werden, die man sich sonst nicht traut zu sagen. Und immer wieder erinnern wir uns gegenseitig daran, dass es nicht Geld oder Anerkennung ist, die uns die Arbeit hier tun lässt, sondern Gottes liebevolle und gnädige Berufung. Und ich durfte (oder musste?) übersetzen: von Deutsch auf Französisch und dann wieder von Französisch auf Deutsch. Da qualmt einem nach 2 Tagen der Kopf.

Gestern entstand in einer Diskussionsrunde der Eindruck die „alten“ Pastoren, sozusagen die Gründergeneration, das waren noch die Richtigen, die Engagierten, die Unermüdlichen und die neue Generation habe allen Eifer verloren und hätte mal dringend nötig, wieder mehr Engagement zu zeigen. Früher war doch so ziemlich alles besser! Auch die Allianz-Mission war da noch viel großzügiger und die finanziellen Mittel flossen nur so. Wurde da vielleicht die Vergangenheit etwas verklärt? Heute gab es dann diesbezüglich reichlich Diskussionsbedarf: Die jungen Pastoren wehrten sich, vielleicht habe sich manche Strategie verändert, aber weniger eifrig seien sie nicht. Dann wurde manches doch etwas differenzierter betrachtet, manches richtig gestellt und vielleicht war früher doch auch nicht alles sooo rosig.

Hören auf Gottes Wort, persönlicher Austausch, miteinander beten, gemeinsames Singen, heftiges Diskutieren – aber auch gemütliches Zusammensitzen, unter dem Blechdach braten, Tee schlürfen, laut lachen und sich gegenseitig auf die Schippe nehmen: Eine wertvolle Zeit war das für uns alle und das Fazit war eindeutig, dass solche Pastorentreffen in einer gewissen Regelmäßigkeit absolut notwendig sind.

 

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