Rendez-vous mit meiner Zweitfrau

So hat Gerlind sie jedenfalls immer genannt. Sie heißt Kora und unsere Liebe begann vor über 20 Jahren. Dann lang sie lange brach und erst vor wenigen Monaten traten wir wieder in Kontakt. Sie hat nur gute Seiten – ach nein, Saiten! Dass sie aus Angelschnur gemacht sind, stört da gar nicht. Sie sind auch das Einzige, was nicht von hier in Mali stammt. Alles andere zu ihrer Herstellung findet man hier: Holz für Steg, Hals und Händehalter, eine mit Kuhhaut überspannte Kalebasse (eine Kürbisart) als Korpus, geflochtene Lederriemen zum Stimmen der Saiten (o.k. das Rundeisen, an dem die Saiten befestigt sind, wird vermutlich auch importiert).

Als wir noch dauerhaft in Mali lebten, hatte ich ein paar Unterrichtsstunden genommen, aber als wir dann zurück in Deutschland waren, stand die Kora lange herum, ohne gespielt zu werden. Vor einigen Monaten begann ich dann wieder ein bisschen zu spielen und meine Kids fanden sogar für mich einen Lehrer aus Gambia, der mir beibringt dieses schöne Instrument zu gebrauchen.

Nach langem Verhandeln und viel Zeit habe ich jetzt hier wieder ein Instrument kaufen können und kann die Kora in ihrer Heimat spielen – wenigstens ein bisschen. Früher, wenn meine Frau sich schon auf unserem Flachdach in Sévaré zum Schlafen gelegt hatte, setzte ich mich oft dazu und spielte im Mondschein auf ihren Saiten. Daran muss ich denken, wenn ich jetzt in der Hitze Bamakos diese sogenannte Stegharfe versuche zum Klingen zu bringen.

Musik drückt so viel über die Kultur eines Landes aus und es ist charakteristisch für Mali, dass neben der lauten Djembe (westafrikanische Trommel) genauso die sensiblen Klänge der Kora ihren Platz haben.

P.S.: Wem die Klänge nicht geläufig sind, der kann bei Youtube z.B. mal „Ballaké Sissoko“ eingeben.

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