Kuschelgottesdienst

Trotz Ausnahmezustand auch in Mali gehen im Moment die Gottesdienste noch weiter – da hat sich der Staat dann wohl noch nicht getraut, dem Einhalt zu gebieten. Und so war ich heute in Dara, eine ganz kleinen Buschgemeinde – mal kämen 4 oder vielleicht 6 Leute, mal seien es auch 10 wurde mir angekündigt. Zu meinem positiven Erstaunen begrüßten sich fast alle dort ohne die Hände zu schütteln und die, die es vergessen hatten, wurden lachend darauf hingewiesen… Das hätte ich auf dem Land nicht erwartet.

Nun, letztlich kamen zum Gottesdienst 21 Erwachsene und fast so viele Kinder – eine Freude, dass so viele da waren. Nur war der Gottesdienstraum ca. 10 m² groß – da war es dann vorbei mit dem verordneten Sicherheitsabstand und wir hockten dicht gedrängt beieinander – nicht gerade die beste Sicherheitsvorkehrung aber eine sehr schöne Atmosphäre!

Zum Übersetzen war B. mitgefahren, ein Lehrer der I-ni-sini-Schule. Er übersetzte mit so einem Tempo und Temperament, dass seine Übersetzung manchmal fast schon abgeschlossen war, bevor ich meinen Satz beendet hatte… Ich glaube, ich habe noch nie so einen flüssigen Übersetzer erlebt. Darauf angesprochen zeigte er sich erfreut: „Weißt Du, ich habe mir heute Morgen extra Zeit genommen, um dafür zu beten, dass ich gut übersetze“. Das Gebet hat Gott nun ganz offensichtlich erhört! B. ist wirklich ein Mann, der betet, das war mir bei meinen Schulbesuchen schon aufgefallen. Heute erzählt er ein bisschen aus seinem Leben. Es ist noch gar nicht lange Christ und ein Hüftleiden brachte ihn dazu sich über den Glauben Gedanken zu machen. Ein Onkel war Christ, von dem hatte er schon ein bisschen gehört, aber dann habe Jesus ganz direkt zu ihm gesprochen und seitdem sei er mit Haut und Haaren Christ. „Das erzähle ich sonst nicht so. Weißt Du, das ist hier nicht so ganz einfach – die Leute denken dann schnell, man hielte sich für etwas Besonderes.“ Und doch kommt es ganz selbstverständlich von ihm rüber. Und er erlebt Gott so lebendig, dass es eine Freude ist, etwas von seinem Glauben sehenzu können.

Fasten statt Hamstern!

Vieles geht nicht mehr, was gerade noch völlig normal war. Auch hier in Mali ändert sich Manches: tatsächlich werden kaum mehr Hände geschüttelt, überall wird Desinfektionsmittel gereicht und Menschen halten Abstand – selbst heute auf der Sitzung des Schulkomitees saßen wir mit gebührendem Sicherheitsabstand voneinander – Mali nimmt Corona ernst, auch ohne dass hier der erste Fall nachgewiesen werden konnte.

Gestern sprach ich mit einer norwegischen Missionarin und äußerte, dass ich davon ausgehe, dass das Virus längst in Mali angekommen ist – wie sonst sollte man erklären, dass überall um uns herum Fälle nachgewiesen wurden aber hier nicht. „Ich glaube das schon“, sagte sie, „denn ich bete ständig dafür, dass Mali verschont bleibt.“ Da musste ich schlucken – ich bete auch seit Wochen genau darum und behauptete jetzt gleichzeitig, dass das ja gar nicht sein könne. Danke Gott für diese Lektion!

Und nun möchte ich Euch gerne einladen mit mir morgen zu fasten für diese Welt und gegen die weitere Ausbreitung des Virus. Fasten ist ja für viele eher ungewohnt (außer vielleicht aus gesundheitlichen Gründen oder zum Abnehmen…), aber in der Bibel und in einigen Zeiten der Kirchengeschichte war es etwas völlig Normales und gerade in Krisenzeichen ein Weg demütig unsere Abhängigkeit vor Gott auszudrücken. Wie wäre das, wenn wir morgen beginnen würden miteinander zu fasten und natürlich auch weiter zu beten, damit Gott eingreift in unsere gebeutelte Welt. Einfach mal an den kommenden Sonntagen auf Nahrung verzichten und Gott in Seiner Macht und Souveränität bitten sich unserer zu erbarmen.

Fasten ist kein Hungerstreik, mit dem man versucht Gott zu etwas zu bringen, was er eigentlich gar nicht tun will. Es ist auch keine Leistung, die den Fastenden irgendwie heiliger macht – es ist einfach eine geistliche Übung, die uns die Bibel auch gerade für solche Zeiten an die Hand gibt. Macht jemand mit?

P.S.: und wer jetzt ganz enttäuscht ist, weil er die Mail erst nach dem Frühstück liest, der kann trotzdem noch mitmachen 😊!

 

 

Beerscheba 2

Und weil es noch so viel anderes gibt als Viren und Krankheiten hier die Geschichte von Eric, den Gründer von Beer Shéba Sénégal. Schon bei meinem letzten Besuch hatte ich von dieser Initiative gesprochen. Heute war Eric hier zu Besuch und hat dem Team von Beerscheba Mali erzählt, wie alles angefangen hat:

Als Direktor einer großen Entwicklungshilfeorganisation war er unterwegs mit einem senegalesischen Pastor. Sie kamen an einem Stück Land vorbei, das völlig wüst war – nahezu keine Bäume und Sträucher – die gibt es in der Gegend eh schon wenig, aber hier war fast nicht: ein riesiges Stück Wüste in der Savanne. Sie hielten ihr Auto an, stiegen aus und schauten sich das an, als Eric plötzlich eine Vision hatte: Vor seinen Augen sah er dieses öde Stück Land voll mit Bäumen, Tieren und tanzenden Menschen. Völlig erstaunt – Visionen, die ihm bildlich vor Augen standen, gehörten sonst nicht zu seinem Alltag – wandte er sich an den senegalesischen Pastor: „Ich weiß nicht, was da gerade passiert, aber ich habe dieses Stück Land plötzlich ganz anders gesehen.“ Da beschrieb sein Begleiter, dass er genau dasselbe gesehen hat. Also kontaktierten die beiden das nahegelegene Dorf und erkundigten sich nach diesem Stück Land. Das sei ein verfluchtes Gebiet, wurde ihnen erklärt, deshalb wächst dort nichts und niemand baut dort etwas an.

Noch völlig ohne zu wissen, was daraus werden sollte, bemühte sich Eric um dieses Brachland und tatsächlich: da eh keiner etwas damit anfangen wollte, gab man ihm kostenlos 100 Hektar trockenen Bodens – ein riesiges Gebiet. Eric hatte länger in der Schweiz in guter Position gearbeitet und so Geld zur Seite gelegt. Das holte er von seinem Konto und zäunte damit die 100 Hektar ein – ein sehr kostspieliges Unterfangen. Spätestens da waren die Leute aus dem Dorf überzeugt, dass der Weiße (man weiß ja, dass die manchmal verrückt sind, aber so??) etwas durchgeknallt sein musste…

Eric hatte keine Ahnung von Landwirtschaft, aber er betete um Unterstützung und schon kurze Zeit später meldeten sich Leute, die mit ihm dieses Land nutzen wollten: eine Landwirtschaft, die Gottes Plan die Erde zu bebauen aber gleichzeitig auch zu bewahren, entsprechen sollte. Und so begannen sie mit einer interessanten Methode, Bäume nicht neu zu pflanzen, sondern die natürliche Regeneration von Bäumen und Sträuchern wieder nutzbar macht. Schon nach drei Jahren war aus dem öden, verfluchten Land eine grüne Oase geworden. Viehzucht kam dazu – ohne Antibiotika; zur Nahrung dienende Pflanzen wurden als Permakultur angelegt. Gleichzeitig wurden den jungen Mitarbeitern nahe gebracht was Gott in der Bibel über das ganzheitliche Leben der Menschen sagt.

2002 war Eric das erste Mal auf diesem Grundstück, 2009 gab er seinen guten Arbeitsplatz auf, um sich ganz Beerscheba zu widmen. Mittlerweile wurden dort 140 junge Leute ausgebildet. Ein Jahr lang sind sie jeweils dort, lernen viele Techniken der Landwirtschaft, der Viehzucht, aber auch das Leben in Gemeinschaft. In dieser Zeit lesen sie die Bibel komplett durch und versuchen zu verstehen, was Gott gerade zu den ganz alltäglichen Dingen des Lebens sagt.

Warum “Beerscheba”?

Abraham war, nachdem er aus Angst den König Abimelech hintergangen hatte, von ihm weggeschickt worden. Aber dann schließen die beiden einen Bund denn Abimelech sah, dass „Gott mit Abraham war, in allem, was er tat“. Das ist Erics Wunsch, dass durch die gesegnete Arbeit auf diesem einst verfluchten Land, Gott den Menschen in der Umgebung in seiner Liebe begegnet.

 

Ausnahmezustand? Können wir auch!

Gestern der Beschluss einer Sondersitzung der Regierung, morgen tritt alles in Kraft:

Keine Passagierflüge mehr aus Coronagebeiten für mindestens 3 Wochen, keine Versammlungen mit mehr als 50 Leuten, Schulen geschlossen, Bars, Nachtclubs etc. ebenfalls zu. Dabei konnte noch kein einziger Coronafall in Mali nachgewiesen werden, aber was bringt es, den erst abzuwarten?

Somit war mein erster Gang heute zur Fluggesellschaft. Dort warteten schon viele Menschen und ich trug mich auf Listenplatz 97 ein und wartete mehrere Stunden bei bald 40°C. Im Laufe der Zeit standen dann ca. 200 Menschen Schlange und ich machte darauf aufmerksam, dass das nach dem präsidialen Gebot ja gar nicht mehr erlaubt war…

Dann war ich an der Reihe, meine Personalien wurden aufgenommen, ich wurde kurz durchsucht, meine Hände desinfiziert und durfte dann ins Büro von AF. Meine Unterredung mit der zwar freundlichen aber nicht gerade auskunftswilligen Dame am Schalter dauerte vielleicht 2 Minuten: Da mein Flug in die besagte Zeitspanne fallen würden, was ich denn nun machen könnte – wisse sie leider nicht. Ob denn heute noch ein Flug gehen würden – das schon, aber der sei schon übervoll. Ob AF denn noch ein zweites Flugzeug schicken würde – nein. Wie es denn nun weiter gehen würde – da könne sie mir leider auch nicht helfen.

Und so fuhr ich dann wieder nach Hause und kontaktierte die Botschaft. Diese war deutlich hilfsbereiten, konnte aber im jetzigen Zeitpunkt auch noch nichts sagen. Somit sitze ich hier in Bamako, die Hauptversammlung der Kirche, die für nächste Woche geplant war, musste abgesagt werden, ebenso das Seminar, das ich Freitag über das Coronavirus in einer Kirche halten wollte. Es wäre ja auch paradox zu diesem Thema ein Seminar anzubieten und gleichzeitig die verordneten Verhaltensregeln zu sabotieren (erwartet wurde einige 100 Teilnehmer) – schade!

Somit ist also alles offen – wie eigentlich meistens im Leben, nur merken wir das sonst nicht so deutlich.

 

Völlig bizarr!

Wir sitzen im Hof bei Pastor Ezechiel. Ein sanfter Wind verscheucht die Hitze des Tages. Das Getreidestampfen der jungen Frauen lässt die Erde zittern. Hier und da schreit ein Kind, eine Ziege sucht einen Schlafplatz auf einem Handwagen, einem Hahn wird kurzerhand von einem Jungen die Kehle durchgeschnitten – den gibt es gleich zum Abendbrot. Die anderen Hühner, die den ganzen Tag über versucht haben, in die kleine Kirche zu gelangen, um der Hitze zu entkommen, hüpfen jetzt auf einen Strauch, um dort die Nacht zu verbringen. Wir spielen Memory miteinander – die ganz jungen und die schon älteren. Eine Achtjährige bindet sich die kleine Schwester auf den Rücken und trägt sie rum, damit sie einschläft. Ein einfacher, fast romantischer malischer Abend – so wie immer. Nach dem Essen, das wir im Schein einer Taschenlampe draußen zu uns nehmen, kommen alle ca. 15 Hofbewohner zusammen und wir beten gemeinsam: für die kranken Familienmitglieder, für meine Reise und auch für Deutschland…

Deutschland – von dort erreichen mich in all der malischen Stille immer wieder Nachrichten: Grenzen dicht, Schulen dicht, Hamsterkäufe, Abschottung, Beatmungsgeräte werden gekauft, Medikamente zur Testung freigegeben. Trump versucht mit großen Summen ein deutsches Unternehmen nach USA zu holen, weil sie in der Impfstoffentwicklung schon weiter sind – America fist – wundert mich das? Aber auch Solidarität, junge Leute, die für die älteren einkaufen gehen wollen. Der Nachbar first – geht auch. Morgen dann die Entscheidung in Deutschland, was mit dem Flugverkehr wird. Muss ich früher zurück? Geht alles wie geplant oder komme ich erst mal gar nicht irgendwo anders hin?

Der Kontrast könnte kaum größer sein. 2 völlig unterschiedliche Welten, zwei komplett entgegengesetzte Situationen. Oder doch nicht? Hier husten im Moment alle. Der Gottesdienst war ein einziges Hustenkonzert heute. Ist Corona vielleicht längst hier und keiner merkt es, weil keiner getestet wird? Aber alle schütteln sich die Hand, trinken Tee aus demselben Glas und lächeln, weil ich mir ständig die Hände wasche…

Mali – Deutschland, der Kontrast war schon immer groß, aber diesmal ist er so ganz anders und es ist gut, dass unsere malischen Geschwister unsere Verletzlichkeit wahrnehmen.

Wer hat den Koranlehrer gesehen?

Vor ein paar Jahren habe ich ihn kennen gelernt, kam zufällig an ihm und seiner Koranschule vorbei, wir haben ein bisschen geschwätzt und ich durfte ihn und seine Schüler filmen. Später habe ich ihn erneut besucht – diesmal hat er mich zu Hause empfangen und wir haben uns auf der Sprache der Peulh nett unterhalten. Vorgestern habe ich erneut versucht ihn aufzusuchen, aber Bamako verändert sich ständig, immer werden neue Häuser gebaut, Wege verändert, da erkennt man nichts wieder. Und, so ein Mist, ich habe seinen Namen vergessen – war es nicht Aboulaye oder Abdramane? Und dann irgendwas mit T… Als ich mich der Gegend nähere, in der sein Haus gestanden haben muss, treffe ich auf ein paar Koranschüler, die auf dem Flachdach eines Rohbaus sitzen und Koranverse rezitieren. Ich frage sie nach ihrem Lehren und tatsächlich: Abdoulaye Traoré heißt er – nur leider nicht zu Hause, aber er käme morgen früh wieder. Und sie zeigen mir noch grob, wo sein Haus ist – gar nicht weit, da vorne, nur die Straße zu Ende gehen. Also bestelle ich Grüße und sage, ich käme morgen wieder. Dann gestern wieder los: leider ist es ein bisschen zu warm für Koranschüler, um auf Betondächern zu sitzen und so finde ich meine freundlichen Wegweiser von gestern nicht wieder. Also den Weg eingeschlagen, so wie sie es mir gezeigt haben. An der Häuserzeile angekommen frage ich einen jungen Mann in seinem kleinen Lädchen, der nicht so ganz versteht, was ich eigentlich will und einigermaßen abweisend scheint – bis ich ihn dann auf Peulh anspreche und sofort geht ein Lächeln über sein Gesicht und sein Verständnis und seine Auskunftsfähigkeit ändern sich schlagartig. Richtig, der Koranlehrer, ja den kennt er, nur noch die Straße runter und dann rechts. Also weiter – am Ende der Straße treffe ich 2 junge Koranschüler und frage nach Abdoulaye Traoré – oh, geben sie mir zur Antwort, der sei leider gestorben! Nanu, gestern war er doch noch auf Reisen, ob das wohl stimmt? Also noch ein bisschen weiter – dort treffe ich auf eine ganze Mannschaft von schon älteren Koranschülern mit ihren mit Koranversen beschriebenen Brettchen. Abdoulaye Traoré? Ne, den gibt es hier nicht – also es gäbe hier viele Koranlehrer, aber keinen mit diesem Namen. So plaudern wir noch ein bisschen und ich mache mich enttäuscht auf den Rückweg: Auf Reisen? Gestorben? Unbekannt verzogen? Was denn nun? Da komme ich an einer Gasse vorbei, die mir bekannt vorkommt (oder scheint mir das nur so?) – auch da sitzen wieder ein paar Koranschüler und ich lass wieder mein Sprüchlein los. Na, klar, Abdoulaye, den gibt es hier – allerdings heißt er nicht Traoré sondern Cissé. Und er sei gerade unterwegs bei einer seiner zahlreichen Frauen in Mopti und keiner weiß, wann er wieder kommt…

Ob ich ihn gefunden habe? Zumindest seinen Wohnort? Dass er geheiratet hat und deshalb statt Traoré jetzt Cissé heißt, ist in Mali eher unwahrscheinlich. Oder waren die, die angaben ihn zu kennen (bis vielleicht auf meine beiden jungen Gesprächspartner) nur höflich, um mich nicht zu enttäuschen?

430 Schüler nach 6 Jahren

Enoc, unser Präses, hat vor 6 Jahren ganz klein in einem unverputzten Raum mit Blechdach begonnen mit seiner Schule. Nur die erste Klasse und ein Lehrer. „Schritt für Schritt“ hat er die Schule genannt und genau so hat er es auch gemacht: Eine Klasse nach der anderen, ein Gebäude nach dem anderen. Aber schnell wurden die Schritte immer größer… Ich weiß, es ist nicht das erste Mal, dass ich davon erzähle, aber es beeindruckt mich immer wieder und gestern habe ich mit ihm erneut der Schule einen Besuch abgestattet: 430 Schüler hat er mittlerweile, 10 Lehrkräfte und bis zur 6. Klasse vorgearbeitet. Mittlerweile ist das ein sehr emsiges Treiben auf dem Schulhof und man fragt sich, wie das in den Pausen aussehen soll, wenn die Schule wie vorgesehen noch bis zur neunten Klasse weiter geht. Aber darüber hat sich Enoc schon Gedanken gemacht: Dann können halt nicht alle auf einmal Pause machen…

Finanziell trägt sich das Ganze so eben. Die Schulgebühren sind deutlich niedriger als in anderen privat aufgebauten Schulen, aber es geht Enoc nicht darum ein Geschäft zu machen. Somit reicht es ihm, wenn das, was reinkommt, genug ist, um die Lehrer zu bezahlen und die laufenden Kosten bestreiten zu können.

reichte der Platz auf der Tafel nicht??

 

Besuch vom Gummibärchenmann

Schulgong

Na klar, das gehört ja zum Standartprogramm, dass ich mich dort blicken lasse und mittlerweile kennen die Kids mich auch – wissen zumindest, dass sie mit Gummibärchen zu rechnen haben, wenn ich auftauche. Daher erfreue ich mich einer gewissen – nicht sehr teuer erkauften – Beliebtheit. Allerdings wird es langsam eng im Koffer, denn dieses Jahr sind es 85 Schüler, bei unserem nächsten Besuch sicher über 100…

im Klassenzimmer
Vorschule

Heue sehe ich die Schüler zum ersten Mal in ihrer neuen Schuluniform. Das ist hier sehr üblich und drückt einerseits ein Zusammengehörigkeitsgefühl aus und sorgt dann auch dafür, dass der Unterschied zwischen reicheren und ärmeren Kindern nicht so leicht an der Kleidung zu erkennen ist. Außerdem sieht es einfach schnuckelig aus! Aber diese Uniform hat in den letzten Wochen für einigen Unmut gesorgt: vielleicht ein bisschen vorschnell hat die Verantwort

Kälteschutz 🙂

liche des Schulkomitees den Preis kommuniziert (die Uniform zahlen die Eltern), aber nach der Herstellung musste dieser dann um 25% erhöht werden. Da war der erste Gedanke, dass der Direktor das Geld draufschlagen wollte, um es in die eigene Tasche zu stecken – so brauchte es viel Überzeugungsarbeit und finanzielle Hilfe eines Nachbarn, dass sich die Wogen wieder glätteten.

Schon vor sieben brechen Etienne und ich auf, damit wir auch ja pünktlich zur Nationalhymne da sind. Erinnert Ihr euch noch an die Handvoll Kinder, die das im ersten Jahr „gesungen“ haben? Das klang heute dann schon ganz anders und dem malischen Nationalstolz eher angemessen. Vielleicht schaffe ich es morgen Euch zumindest die Audioversion zugänglich zu machen.

Es ist noch lange nicht alles super hier in der Schule in Niamana, aber es ist ein vielversprechender Anfang und jetzt die eifrigen Drittklässler zu sehen, die noch vor Kurzen schüchtern in der ersten Klasse gesessen haben, ist eine große Freude!

Der Herr der Ente

Heute ein längeres Gespräch mit dem Präses unseres Kirchenbundes über ihre Pläne eine neue Arbeit im Raum Sikasso im Dorf Tousséguéla zu beginnen: 300-400 km entfernt von der Hauptstadt – 5 mühevolle Autofahrtstunde – mal ganz abgesehen von den Kosten – kein Personal, es sind ja eh schon zu wenig Pastoren für die ganzen Kirchengemeinden – kaum Kenntnisse der Region; da spricht eigentlich alles dagegen. Andererseits: 21 Dörfer und keine einzige Kirche – Offenheit in der Bevölkerung – ein Kommandant, der selbst Christ ist – und bei allem, was sachlich dagegen spricht bei allen Beteiligten der Eindruck: Gott macht hier eine Tür auf.

Was machen unsere malischen Brüder und Schwestern? Sie wagen es einfach, machen sich schon verschiedene Gedanken, aber wissen auch nicht, wie das gehen soll – beten dafür, dass Gott Arbeiter schickt. Arbeiter müssen ja keine Pastoren sein – vielleicht hat Jesus da noch ganz andere Ideen.

Und wie stark wäre das, wenn ich in der nächsten Leitungssitzung in 2 Wochen erzählen könnte, dass da 30 Leute in Deutschland versprochen haben mitzubeten: mindestens 1 x pro Woche und mindestens 6 Monate lang, das macht 30×26 Gebete an den Herrn der Ernte, der uns dazu aufgefordert hat genau das zu tun!

Eine kurze Mail reicht, wenn Jesus Euch das aufs Herz legt.

Hyäne, Elefant oder Termite?

Nach einer Nacht, in der mich auch die Wärme nach der Reisemüdigkeit nicht vom Schlafen abhalten konnte, war ich heute im Gottesdienst in Fombabougou (übrigens, wie Ihr möglicherweise schon rausgehört habt, ist Gerlind diesmal nicht mit nach Mali geflogen). Zwar habe ich nicht gezählt, aber als die Kinder nach 90 Minuten gemeinsamem Programm in ihren eigenen Gottesdienst gehen, scheint nur noch 1/3 der Kirche besetzt zu sein – was für eine Geburtenrate!!! Freundlicherweise werde ich auch hier gebeten zu predigen und das tue ich gerne über 1. Korinther 12; die Gemeinde Jesu als ein Körper mit vielen Organen: jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe im Zusammenspiel mit den anderen Christen und das sowohl in der Ortsgemeinde als auch in der weltweiten Gemeinde Christi. Spannend wird es, als wir darüber nachdenken, dass Paulus deutlich macht, dass gerade die Schwachen die besonders von Gott Berufenen sind, nicht die Reichen, die zahlenmäßig Starken oder die theologisch gut Ausgebildeten. Besonderen Spaß haben wir immer wieder, wenn die biblischen Wahrheiten anhand einer Fabel verdeutlicht werden (Warum mache ich das eigentlich in Deutschland nie? Wir hören doch auch gerne Geschichten…): Ein riesiger Baum stürzte auf einen wichtigen Weg im Urwald und blockierte den Weg zur Tränke. Weder die Hyäne mit ihrer Schläue noch der Elefant mit seiner Stärke vermochten daran etwas zu ändern. …bis dann die Termite, auf die keiner hören wollte, mit ihren Kumpels in der Nacht für eine definitive Lösung sorgte.

Auf der Fahrt zurück nach Hause kam dann die Frage in mir auf, ob ich meine eigene Predigt eigentlich nur theoretisch glaube oder auch in meinem Leben umsetze. Traue ich einer kleinen Dorfgemeinde irgendwo tief im Busch in Mali tatsächlich zu, dass sie für Gottes Reich mindestens ebenso viel Bedeutung hat, wie eine Megachurch in den USA? Können wir von ihr genauso viel lernen? Und wenn Gott das so sieht, welche praktischen Schlüsse kann ich daraus ziehen? Ich hoffe, Paulus Botschaft hat die Zuhörer heute ermutigt – mich hat sie (wenn auch erst im Nachhinein) nachdenklich gemacht.